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Bordeaux 2015 - Ein magischer Jahrgang

Beginnen möchte ich in diesem Jahr mit einem Fazit der „en primeur“ Verkostung 2015. Einem Fazit, welches mir gerade beim Genuss eines Glases Markus Molitor Riesling Himmelreich Kabinett mit seiner feinen Rieslingfrucht und schönen Balance von Süße und frischer Säure in den Sinn kam. (Schön ist es, wieder zu Hause zu sein...)

2015er Bordeaux sind auf die unvergleichliche magische Bordelaiser Art genau das: wahnsinnig fruchtintensiv, mit frischem, mineralischem Charakter und fast süßen äußerst reifen Tanninen. Eine solche Harmonie all dieser Komponente war bisher wohl in keinem der Vorgänger-Jahrgänge vorzutreffen. Kein Wunder also, dass wir die Bordelaiser Winzer nicht nur einmal von der Magie ihrer Weine sprechen hörten, kein Wunder, dass wir stets in lächelnde, zufriedene und glückliche Gesichter blicken durften, wenn sie über ihren Jahrgang 2015 philosophierten. Und kein Wunder, dass das weltweite Interesse an diesem Jahrgang seit langem mal wieder enorm war.

Jedes Jahr aufs Neue ein Abenteuer: Die En Primeur-Verkostungen in Bordeaux

Die Châteaux waren so gut besucht, dass wir in diesem Jahr nicht eine Appellation nach der anderen bereisen und somit verkosten konnten. Stattdessen sind wir von Sauternes nach Saint-Émilion, vom äußersten Norden des Médoc bis in den Süden nach Margaux, von Saint Julien bis nach Pomerol usw. gefahren. Um die Reise- und somit Verkostungseindrücke besser ordnen zu können, werde ich daher in diesem Jahr eher einen Jahrgangsbericht schreiben. Auch wenn sicher die Weine aus Pessac, Saint-Émilion und Pomerol besonders perfekt und ausbalanciert gelungen sind und die Besten aus diesen Regionen wohl auch das Non-Plus-Ultra des Jahrgang 2015 abbilden, möchte ich meinen Bericht mit den Weinen der Appellation Margaux beginnen.

Margaux - Millèsime 2015

4 Gründe, um mit den Weinen aus der so oft gebeutelten Appellation Margaux einzusteigen. Erstens, die klimatischen Bedingungen waren so perfekt wie lange nicht. Normalerweise bekommen die Weinberge um Margaux eher schlechteres Wetter ab als alle anderen Appellationen im Médoc. Nicht wenige der letzten Ernteperioden wurden durch Gewitter und Unwetter getrübt. All das gab es in 2015 nicht, das Gegenteil war der Fall. Regen im August, Sonne satt im September, ausgedehnte Reifephasen bis Mitten in den Oktober hinein. Zweitens, der wohl beste Wein des Jahrgangs kommt aus Margaux, es ist Château Margaux. Doch dazu später mehr. Drittens, „…mit Margaux 2015 kann man nichts falsch machen.“ (Ulrich Breitenstein – unser Bordeaux-Experte und ihr Ansprechpartner in Sache Subskription) Jede Qualität, jeder Stil, jedes noch so kleine Château ist auf seine Art und Weise superb! Und viertens ist eher von subjektiver Natur. Mein Herz schlägt für die Weine aus Margaux, seitdem ich im Sommer/Herbst 2004 auf Château Labégorce leben und bei Château Cantenac-Brown arbeiten durfte.

Ganz großes Kino - alle drei Weine des Premier Grand Cru Chateau Margaux!

Beginnen wir doch gleich mit diesen beiden Weinen. Wer ein paar mehr Ecken und Kanten sucht, der wird bei Cantenac-Brown fündig. Kein Wunder, dass die Engländer auf diesen Wein abfahren. Labégorce ähnlich, unglaublich viel Power für vergleichbar kleines Geld. Beide sind von ähnlicher Statur, sehr impulsiv in ihrer Cabernet-Frucht, schwarze Beeren, eher Cassis. Sehr vielschichtig haben sie noch viele Jahre vor sich. Der beste unter diesen klassischen kühlen, finessenreichen „Langläufern“ (mit Ausnahme der Spitze Palmer und Château Margaux) ist Château Giscours, gleich gefolgt von Prieuré Lichine und Rauzan-Ségla. Schon in frühen Jahren Freude bereiten wird Château d’Angludet. Unsere Entdeckung des Jahres mit 40% Merlot ist traumhaft fruchtig und ausbalanciert. Die absolute Kaufempfehlung in diesem Jahr ist Château Malescot-St.-Éxupery. Diese außerordentlich attraktive Preis/Genussrelation findet sich in 2015 nirgends wo anders auf dem linken Ufer. Zu der Finesse des 14er Maléscot gesellt sich in diesem Jahr eine tolle Süße, Frucht und Harmonie. Die Tannine sind perfekt für die nun anstehende Fassreife! Château Kirwan und Château du Tertre, sonst eher klassisch und kühl, überzeugen durch eine feine Süße und spektakuläre Fülle.

Genau das gleiche Spiel bei unserem „alltime favorite“ Château Siran. Hier hat das Team um Edouard Miailhe wohl den besten Wein der neueren Geschichte aufgelegt, rund, fast samtig mit einer gehörigen Fruchtfülle. Glamour pur für vergleichsweise kleines Geld! Beim Besuch des traumhaft gelegenen Château d’Issan war die Stimmung bombastisch. Haben doch genau sie in den letzten 3 Jahren Pech mit Gewitter und Hagel gehabt. In diesem Jahr nichts und der Wein profitierte noch einmal mehr von den perfekten Wetterbedingungen, denn die Weinberge liegen im südlichen Teil Margaux’s.

Auf Château Palmer

„Trés, trés, trés content“ war man dann auch auf Château Palmer. Trotz der sehr geringen Menge Petit Verdot (6%) spürte man den Einfluss dieser robusten Rebsorte bereits im Duft des Alter Ego. So viel Spaß im Glas hatten wir bis dato noch nicht gefunden! Eine wahnsinnige Frucht, fantastische Länge, die Biodynamie lässt grüßen. Genau wie beim Grand Vin Château Palmer. Seriös, etwas verschlossen, seine Klasse und Rasse präsentierend. Eine Frische, Mineralität und Vielschichtigkeit, die ein sehr langes Leben verspricht!

Palmer hatte Klasse, aber Château Margaux hatte noch mehr. Etwas Undefinierbares. Etwas, das man nicht in Önologie-Lehrbüchern oder in der Unmenge von Analyseverfahren oder Verkostungsnotizen finden kann. Etwas, das den Wein über alles hinwegtrug. Etwas fantastisches, etwas intellektuelles. Es war die Magie von Margaux!

Saint-Julien – Millésime 2015 

Chateau Ducru-Beaucaillou​ in der Abendsonne

Waren die Qualitätsunterschiede in 2014 noch enorm, sind 2015 die Weine in Saint Julien genau wie in Margaux durchweg eine Bank. Es gibt quasi keinen Ausreißer nach unten. Faszinierend hingegen sind die Unterschiede in der Stilistik der Châteaux. Bereits der Einstieg bei Château Gloria war enorm gut. Saint Julien ist eine Appellation, in der es fast ausschließlich Grand Cru Classé gibt. Somit sind die Preise immer entsprechend hoch, man denke da vor allem an Léoville Las Cases, über dessen Preispolitik man sicher streiten kann.

Zurück zu Château du Gloria, denn hier hat man noch ein eher kleines Château. Und was sagt man zu großen Jahrgängen? Richtig, in großen Jahrgängen soll man kleine Weine kaufen. Besonders, wenn sie so gut sind wie dieser knackig frische, fruchtintensive Cru Bourgeois! Dann wieder ein Wettkampf der Stilistik zwischen Léoville Barton und Léoville Poyferré. Barton ist ein richtiges Biest! Fantastische Dichte, vielschichtig und überaus kräftige Tannine. Kein Wein für die nächsten 10 Jahre.

Poyferré dann mit einer wahnsinnig betörenden Fruchtsüße. Vollste Kraft und feinste Finesse im Einklang! Harmonisch, warmherzig und unglaublich lang! Tja für welchen der beiden soll man sich entscheiden? In diesem Jahr waren wir uns einig, Léoville Barton liegt wohl einen halben Punkt vorn.

Ducru war ein gebührender Abschluss des Tages - magnifique!

Dann voller Vorfreude zu Château Ducru-Beaucaillou. Da war sie wieder, die Magie des Jahrgangs 2015! Authentizität in reinster Form, nicht vergleichbar mit anderen Weinen, vollkommen eigenständig, ein Monument von einem Wein! 95% Cabernet sprechen für sich, sehr klare Frucht, feinste Mineralität, Salzigkeit und Säure. Alles hervorragend abgestimmt, nichts aufreibendes, stressiges, einfach pure Perfektion! Einer der Top 5 im Médoc 2015. Nicht zu verachten ist La Croix Ducru-Beaucaillou, den ich in diesem Jahr gemeinsam mit La Dame du Montrose zum interessantesten Zweitwein (vergleicht man Preis und Qualität) küre.

Château Gruaud Larose war eine Überraschung. Sonst in jungen Jahren sehr verschlossen, kühl und etwas holprig zu verkosten, war er in diesem Jahr überraschend offen, süß, fruchtig. Keine verschlossenen, ruppigen Tannine, der Wein lief runter wie Öl ohne seine typische Tiefe missen zu lassen. Ist dies der Startschuss einer neuen Ära?! Ähnlich viel Trinkspaß dann auch in Château Branaire-Ducru. Finesse-Trinker sollten hingegen eher zu Château Lagrange greifen, der wohl feinste Wein in dieser Reihe! Château Talbot hatte dann noch einmal alles, tiefdunkle Frucht, Eleganz, sehr frische, hervorragend eingebundene Tannine. So kann er langsam in die Riege der besten Saint Julien eintreten!

Pauillac – Millésime 2015

Die erste und auch letzte Verkostung in Pauillac war auf Château Mouton Rothschild. Einmal mehr ein Wein für die Ewigkeit! In der Nase zu Beginn eher verhalten, sich langsam öffnend und dann mit einer Frucht betörend, wie kein zweiter Pauillac es kann. Am Gaumen traumhaft elegant, sehr weich und sanft in seinem Wesen – ein wahrer Terroir-Wein! Neben dem Grand Vin sind Château Clerc Milon und Le Petit Mouton eine Wucht! Dabei ist Le Petit Mouton keinesfalls klein, er ist groß! Wahnsinnig kräftig, tief in seinem Wesen, man hat auch hier ewig etwas von der Verkostung. Clerc Milon wirkte sehr reif, Frucht, Tannine und Mineralität sind perfekt verwoben. Château d’Armailhac hingegen war noch nicht so in Balance! 

Die morgendliche Sonne auf den alten Chais von Chateau Mouton Rothschild.

Den harmonischsten Wein vom linken Ufer verkosteten wir dann auf Château Pontet Canet. Man merkt förmlich den Einfluss der 10 Jahre Biodynamik. Monsieur Tesseron selbst ist auch „trés, trés fier“ und sagt über seinen 2015er: „Une de plus bonnes millésime que je fait.“ Dem können wir nur zustimmen, denn Pontet Canet 2015 steht im Glas wie eine 1! 

Château Pontet Canet ist jedes Jahr ein Besuch Wert.

In die Kategorie persönliche Lieblingsweine (da auch noch Preis und Genuss in Relation stehen) gehören Château Batailley und Château Grand Puy Lacoste. Nach dem herausragenden Erfolg 2014 legt G-P-L auch 2015 eine Performance an den Tag wie die Rolling Stones in ihren besten Zeiten. Wenn Grand Puy Lacoste mit seinem Mix aus Oldschool und Moderne ein Lieblingslied ist, dann ist Château Pichon Longueville Comtesse de Lalande der Ohrwurm, der uns den ganzen Tag verfolgt. Kein Wunder bei dieser Geschmacksvielfalt, Kraft und Fülle. Mit jedem Atemzug und jedem Schluck entdecken und spürten wir eine neue Geschmacksnuance – ein unvergessliches Verkostungserlebnis. Endlich schafft es die Comtesse, mehrere Jahre hintereinander von ihren Lagen direkt in der Nachbarschaft von Latour zu profitieren. Powerful, etwas ungewöhnliches, ein Terroirwein wie er im Buche steht – best of Pauillac! Übrigens, es gibt schlimmeres, als den ganzen Tag von einer solchen glamourösen, jungen, magischen Dame mit Klasse verfolgt zu werden. 

Chateau Grand-Puy-Lacoste ist wie im letzten Jahr eine der positivsten Überraschungen im Pauillac.

Direkt im Vergleich hat es Pichon Baron da etwas schwer. Obwohl er genau wie Lynch Bages von unglaublicher Länge … Besonders seine Süße in der Nase, die einem förmlich ins Gesicht sprang. Hier wird nichts kaschiert, Karamell, Marzipan, Schokolade, dazu geschmackvolle Tannine – eine Kaufempfehlung! 

Saint Éstèphe – Millésime 2015

Weiter nördlich wurde das Qualitätsniveau immer heterogener. Der Herbstregen hatte hier doch mehr Unheil angerichtet als anderswo. Umso bemerkenswerter waren Montrose und Cos! Denn diese beiden Ausnahme-Châteaux greifen ein ins Rennen um die besten Weine des linken Ufers.

Das Duell beider Weine war äußerst interessant, sind sie doch in ihrer Stilistik so unterschiedlich. Was für eine Fülle an Aromen bei Cos d’Estournel, wirklich breit, reif, vielschichtig. Dass Saint-Éstèphe so soft and sweet schmecken kann, ohne die typische Dichte und Kraft zu missen, hätte man vor einigen Jahrzehnten nie zu träumen gewagt. Der pure Gegensatz in diesem Jahr Château Montrose. Purismus, Klasse, wie ein Fels in der Brandung - einfach traditionell Saint-Éstèphe. Hier spürt und schmeckt man das einmalige Terroir des Château. Für uns kam er jedoch nicht ganz an die Ausnahmestellung im 2014er Jahrgang heran. Doch da war noch eine Dame, deren Charme wir in 2015 erlegen sind: La Dame de Montrose gehört zu den besten drei Zweitweinen des Jahrgangs!

Ein Geheimtipp des Bordeaux-Jahrgangs 2015 ist Phélan Ségur. Ein Wein, der auf Sanftpfoten daher kommt. Sehr fein im Geruch wirkt er warm, cremig, ja fast „hot“, sexy eben!

La Dame de Montrose im Glas

Haut-Médoc / Médoc und Moulis-en-Médoc – Millésime 2015

„In guten Jahren soll man kleine Weine kaufen.“ Eine Binsenweisheit, der man in Bordeaux folgen soll! Klingt sehr abgedroschen, ist es jedoch keineswegs. Beste Beispiele sind die Nachbarn Sociando-Mallet und Charmail. Top in Form, voller Harmonie, fein und rund sollten Sie sich diese beiden Weine kistenweise in den Keller legen! Dabei ist Charmail eher der Charmeur, Sociando mit seiner Würze und Kraft eher der Draufgänger. Einem Wein, dem Sie weiterhin treu bleiben sollten, ist dazu Cambon La Pelouse. Ich gebe zu, die erste Verkostung war etwas schwierig. Der Grund war dann ganz einfach, der Wein für weit unter 20,- Euro ist in diesem Jahr wirklich groß! Eine solche Tanninstruktur gepaart mit seiner unvergleichlichen Frucht und Salzigkeit war seit 2010 nicht mehr da gewesen. Auch La Tour Carnet hat nach den schwierigen Jahren 2013/14 die Kehrtwende in die richtige Richtung geschafft. Wer hier nicht zugreift, ist selber schuld. 

Ein kleiner aber feiner Abstecher zu Château Sociando-Mallet. Hier mit Mâitre de Chai Patrice Laujac und Agnès Fattaz.

Der beste Haut-Médoc war dann Château Cantemerle. Besser geht es nicht, ist dieser 5ième Grand Cru doch der größte Profiteur des Wetters im Süden der Halbinsel! Hinter seiner Dichte versteckt sich eine Vielzahl von Aromen, dazu eine Stoffigkeit und Säurestruktur, die ein langes Leben versprechen. Schnell kaufen und dann für 10 Jahre im Keller verstecken (auch wenn es in den Fingern juckt, mal etwas eher eine Flasche zu öffnen).

In Moulis-en-Médoc dachten wir erst, an den alt bekannten Stars der Appellation Chasse-Spleen und Poujeaux kommt keiner vorbei. Von beiden hatte Poujeaux die Nase vorn. Obwohl die Nase von Poujeaux erst einmal nicht so viel versprach. Am Gaumen dann diese Überraschung. Denn es gibt mal nicht gleich „paar auf die Fresse“. Selten war Poujeaux in seiner Frühphase so harmonisch. Dann noch ein Wein mit dem gewissen Etwas, nach dem ein Weinhändler sucht: Château Branas Grand Poujeaux hat uns einfach umgehauen. Eine fast schwarze Farbe, am Gaumen extraktreich wie kein anderer in Moulis, dazu eine Wahnsinnsfrucht und perfekte Reife! Der Wein belebt das angestaubte Image dieser kleinen Appellation – unsere (Wieder-)Entdeckung des Jahres. Da war sie wieder die Magie des Jahrgangs 2015!

Ein Wein mit dem gewissen Etwas, nach dem ein Weinhändler sucht: Château Branas Grand Poujeaux

Saint-Émilion

Endlich sitze ich wieder am Computer und kann mich dem Finale des Jahrgangsberichts widmen. Viele wichtige Ereignisse führten dazu, dass ich erst jetzt dazu komme – unter anderem ein Besuch unseres Weinguts auf Mallorca: Tianna Negre. Dazu in ein paar Wochen mehr auf Facebook >>

Nun zurück zum eigentlichen Thema. Die ersten Journalisten und Weinkritiker hatten bereits einige Wochen vor der Primeur-Verkostung nicht wenige Vorschlusslorbeeren für die Weine vom rechten Ufer sowie Pessac-Léognan verteilt. Da wir zu der ungeduldigen Sorte Mensch gehören, sind wir an unserem 1. Abend - quasi direkt aus dem Flugzeug heraus - zu einem „Soirée Degustation“ auf Château Guiraud im Sauternes gefahren. Ein perfekter Einstieg in die "semaine de primeurs"! Erstens war Château Guiraud 2015 unglaublich präsent, feingliedrig und für einen Sauternes in diesem jungen Stadium nicht zu süß und irgendwie drüber (wie sooft). Ein Wein, den sich Sauternes-Fans unbedingt merken müssen.

Soirée de Degustation à Château Guiraud

Zweitens gab es die Weine vom Graf von Neipperg wie Château d’Aiguile, Château Clos de l’Oratoire, Château Canon-la-Gaffelière, Château La Mondotte sowie die Weiß- und Rotweine der Domaine de Chevalier zu verkosten. Unsere Erwartungen wurden dabei keinesfalls enttäuscht. Es war ein ganz anderes Bild als 2012, 2013, 2014, in denen – wie würden die Winzer sagen – viele Qualitäten ausselektiert werden musste. Nahezu alle Weine waren auf ihre Art und in ihrer Preisklasse superb. Besonders die Harmonie und Balance von Frucht, Säure, Tanninen und Mineralität ließen unsere Augen funkeln. Dass es Bacchus in 2015 mit Saint Émilion, Pomerol und Pessac Léognan sehr gut gemeint, haben die weiteren Verkostungen gezeigt.

Große Begeisterung für die Weine von Château Canon La Gaffelière, Château d'Aiguilhe, Château La Mondotte, Domaine de Chevalier, Château Guiraud & co.

Nun also der Reihe nach:

Dass wir Ungeduld zu unseren Charaktereigenschaften zählen dürfen, hatte ich bereits erwähnt … Also wollten wir als einen der ersten Saint-Émilion Château Grand Mayne verkosten. Die Frage war, kann sich unsere Entdeckung des letzten Jahres auch gegen die große Konkurrenz in 2015 durchsetzen. Die Antwort lautet „ja“. In dieser so attraktiven Preisklasse der Beste: geniale Frucht, dazu eine unbeschreibliche samtige Harmonie, die die Kraft der Tannine hervorragend kaschiert! Ein weiterer Lieblingswein um die 30,- Euro ist in 2015 Château La Dominique. Sein Frucht-Bukett war schlicht und einfach berauschend. Als nächstes Château Fleur Cardinale, ein Klassiker unseres Subskriptionsangebots aus Saint-Émilion, auf den wir ebenfalls sehr gespannt waren. Hatte er 2014 noch etwas geschwächelt, spielt er in 2015 in der Liga der Weine mit dem besten P/G-Verhältnis ganz oben mit. Super gefällig, tolle Frucht und einladend sanft verspricht er schon früh viel Trinkspaß! Dann noch drei weitere Überraschungen: Château Dassault. Mit all seinen würzig-fruchtigen Geruchs- und Geschmacksnuancen hätte ich ihn eher nach Südfrankreich eingeordnet - Erinnerungen an unvergessliche Fassproben bei La Grange de Pères oder La Négly wurden wachgerufen. Etwas ruppiger und mit viel Rasse Château La Confession. Konzentration pur! Auf dem Vormarsch ist zudem Château La Marzelle. Durch den biodynamischen Anbau eine besondere Eleganz gepaart mit dichten Fruchtnuancen, die betörend burgundisch daher kamen. Vielleicht der Geheimtipp in 2015!

Last but not least sollten Sie sich noch Château de l’Oratoire merken. Nach Château d’Aiguilhe wohl die größte Überraschung der Vignobles Comtes de Neipperg. Vollfruchtig, warm und breit, wie ein Wein aus 90% Merlot nur sein kann. Dazu kraftvoll und vielschichtig. Unbedingt kistenweise einlagern! Genau wie Château d‘Aiguilhe – ein kurzes Exkurs in die Côtes de Castillon, wo Herr von Neipperg ebenfalls einen hervorragenden Wein kreiert hat. Bleibt er preislich unter 20,- Euro, dann ist der Wein für all diejenigen die richtige Wahl, die neu bei der Subskription sind. Vielleicht ist es etwas gewagt, wenn ich das über einen Bordeaux schreibe, aber ich bin mir sicher, man muss lange suchen, um sonst in der Weinwelt eine ähnliche Qualität zu diesem Kurs zu finden.

Graf von Neipperg kann zu Recht stolz sein auf seine Weine.

Mit Château Canon La Gaffelière steigen wir nun in die Champions League ein. Ein legendärer Wein, der es locker unter die Top 5 in Saint Émilion schafft. Neben Finesse und Vielschichtigkeit finden sich hier fein eingewobene, kraftvolle Tannine wieder, die gemeinsam mit einer spielerischen Salzigkeit das Finale minutenlang andauern lassen. Auch hier hat sich die Umstellung auf Bio ausgezahlt. Ebenfalls bemerkenswert – der geringe Gebrauch von neuem Holz (nur 55% barriques neuves). La Mondotte setzt in Sachen Urgewalt noch einen drauf. Tief dunkelbeerige Frucht, Tannine und Frische lassen auf eine phänomenale Lebensdauer hoffen! Ein Herausforderer ist nach einem Jahr Auszeit glücklicherweise wieder Troplong-Mondot. Sehr viel Kraft, tolle Frische, eher burschikos wirkend. Ein Bruder im Geiste und Stil von Château Léoville Barton aus Saint Julien. Ins Finale stürmen will dann noch Château Canon. Hatte hier doch schon im Vornhinein James Suckling 100 Punkte gezückt, war er wahrscheinlich der meist verkostete Saint-Émilion. Ein ganz großer Canon. Einmal mehr Klassik und Moderne par Excellence!

Um den Titel in Saint-Émilion spielen ganz klar Château Angelus und Château Figeac? Château Angelus sucht in Sachen Kraft und Breite seines Gleichen. Fantastisch kräftige Gerbstoffe, dramatisch viel Frucht und atemberaubende Breite. Endlich hat Château Angelus genau das Niveau erreicht, wo die Besitzer des Grand Cru Classé „A“ hinwoll(t)en! Ganz besonders ist die Cabernet-Typizität, die unglaublich elektrisiert.

Château Angelus ist ein wahrer Kraftprotz

Genau diese Spannung auch in Château Figeac, dem wohl Médoc-ähnlichsten Saint Émilion. Nicht ohne Grund wurden uns bei der Verkostung die gleich am Château anliegenden Weinberge gezeigt, die mit Cabernet Sauvignon bepflanzt sind. Hier findet sich die gesamte Bandbreite des Bordelais wieder. Fruchtvielfalt und Eleganz des rechten Ufers gepaart mit Kraft und Energie des linken Ufers. Sensationell delikate Cassisnoten bestimmen das Bukett, eine genüssliche Salzigkeit den Geschmack und viel Frische das undefinierbar lange Finale! Drücken wir die Daumen, dass an der moderaten Preisgestaltung der letzten Jahre festgehalten wird – dann führt 2015 kein Weg an Château Figeac in Subskription vorbei.

Pomerol

Nachdem 2014 wirklich nur ein paar wenige Weingüter gute Qualitäten abgefüllt hatten, darf in 2015 kein Pomerol in der Bordeaux-Kollektion fehlen. Eingestiegen sind wir auf Château Beauregard. Ein „sexy“ Pomerol, der (noch) bezahlbar ist. Seine verführerische, verschwenderische Süße ist überwältigend. Merlot vom Feinsten. Eine erfreuliche Entwicklung dann auch bei Château Le Pointe. Denn schon 2014 war gelungen und so auch 2015. Sehr präzise Frucht, feine Tabak- und Gewürznoten – ein Best Buy im Pomerol. Ins Staunen versetzt haben uns Château Plince und Château Bourgneuf. Beide sind ihrem Stil treu geblieben: eher maskulin und ruppig – wenn man das überhaupt von den grundlegend harmonischen Pomerols sagen darf.

Der Start in den Tag im Pomerol - wir waren sehr gespannt und wurden nicht enttäuscht! Chateau Beauregard ist top!

Noch ein Geheimtipp für weit unter 20,- Euro ist Château Siaurac. Man merkt schon jetzt die Arbeit der Mannschaft von Latour. Viel dunkle Frucht, sehr reife Süße. Dazu etwas Malz und Merlot-Würze. Eine Empfehlung für all diejenigen, die frühzeitig dem großen Pomerol-Genuss frönen wollen.

Allesamt spektakulär sind Château Trotanoy (klassisch erhaben – ein Monument von einem Wein, der die kommenden 15 Jahre lieber weggelegt werden sollte), Chateau l’Eglise Clinet (ungeschlagen präzise und mächtig, mit einem noch längeren Alterungspotential), Château Hosanna (endlich wahre Größe zeigend, dafür verantwortlich ein so außergewöhnliches Cassis-Aroma, dass uns zu allererst auf die Cuvée schauen lies. Nein, es war kein Cabernet Sauvignon enthalten.) und Château La Fleur Petrus (delikate, kraftvolle Fruchtexplosion, Druck und Fülle – ganz weit oben im Pomerol einzuordnen).

100% Frucht, 100% Finesse, 100% Samt, 100% Balance, 100% Merlot… 100% Château Petrus ist all das - Harmonie, Eleganz und Frucht in Perfektion. So viel Sexappeal wie in diesem Jahr hatten wir die letzten 5 Jahre nicht mehr im Glas. Wer hier eine Flasche ergattern kann, ist ein Glückspilz. Weinwelt, bitte trinkt diesen Wein, denn eine solche Delikatesse wird man nur selten in seinem Leben genießen können!

Château Petrus ist stets besonders (auch wenn das Wetter uns am letzten Tag etwas im Stich gelassen hat)

Pessac Léognan

Die wohl stimmigste Verkostung (vielleicht gemeinsam mit den Weinen von Stephan Graf von Neipperg) wurde uns auf Château Haut Brion präsentiert. Beginnend mit den Weinen von Château Quintus. Für den Wein aus Saint Émilion braucht es nicht vieler Worte: der Wein ist einfach wundervoll. Der Anteil von 24% ausgereiften und perfekt behandelten Cabernet Franc macht den Wein zu einem Phänomen. Also, unbedingt zugreifen!

Die Verkostung auf Château Haut-Brion ist jedes Jahr ein Highlight!

Dann Château La Mission Haut-Brion. Der Wein hat eine Leichtigkeit und Reinheit wie eine Seiltänzerin beim internationalen Zirkusfestival in Monaco. Im Bukett ganz feine, hellrote Beeren, irgendwie burgundisch süß, jedoch mit mehr Druck und Würze. Am Gaumen unverwechselbar weich, rund und reif – der wohl eleganteste Wein außerhalb des Pomerol. Dann Château Haut Brion – im ersten Moment etwas verhalten. Die Frucht erahnend der erste Schluck, etwas Bleistiftmiene, Lakritz, Pflaume, Blaubeere. Wenn wann man im Lexikon nach „vielschichtig“ suchen würde, sollte ein Etikett des Château Haut Brion 2015 abgebildet werden. Ich wünschte mir, dass ich mich für 1 Stunde mit diesem Wein wegschließen könnte. Denn mit jedem Riechen und Schmecken eine andere Nuance, von Frucht bis hin zu Erde, Leder. Dann wieder süße Aromen wie Schokolade – ein Traum von einem Wein!

„Ich glaube, ich werde zum Pessac-Fan!“ – so beginnt meine Verkostungsnotiz zu Domaine de Chevalier Rouge. Tolle Frucht in der Nase, am Gaumen wirkt er kräftig kühl, genau wie ein Ritter (Chevalier) in seiner Rüstung. Eine satte verführerische Reife zusammen mit einer fein anmutenden Frische macht zusammen einen unbedingten Kauftipp!

Domaine de Chevalier - Ein unbedingter Kauftipp 2015!

Genauso zählen kann man auch wieder auf Château Malartic-Lagravières Rouge. 2015 ist noch einmal eine Steigerung von den hervorragenden Vorgänger-Qualitäten. Die Frucht ist präsent, dazu wieder die typische Bleistiftmiene, Feuerstein, Mineralität und Terroir widerspiegelnd. Ein Jubiläum gibt es auf Château Smith Haut Lafitte zu feiern – 650 Jahre! Der Rotwein: Hoch aromatisch, wundervoll fruchtig – ein Potpourri hellroter, tiefdunkler und blauer Früchte – bis hin zu Schokolade und Tabak. Mit viel Charakter, Frische und wundervollen Tanninen wird der 2015er ganz sicher ein Star auf der 700-Jahrfeier!

Unsere Top 10

In den letzten Jahren wurden wir oft nach unserer Top 10 des Jahrgangs gefragt. Bei so viel unterschiedlicher Stilistik, Herkunft und Klassifizierungen fällt dies nicht leicht. In diesem Jahr wollen wir es probieren und haben dafür die Top 10 in drei Klassen unterteilt: "All over", "Top Value" & "All Time Classics"

All over:

Château Margaux, Château Petrus, Château Haut Brion, Château Mouton Rothschild, Château Angelus, Château Comtesse de Lalande, Château Figeac, Château Grand Puy Lacoste, Château Malescot-Saint-Éxupery, Château Ducru Beaucaillou

Best Buy / Top Value:

Château Grand Puy Lacoste, Château Malescot-Saint-Éxupery, Château Giscours, Château Malartic-Lagraviéres, Château Grand Mayne, Château d’Aiguilhe, Château Labégorce, Château Clos de l’Oratoire, Château Branas Grand Poujeaux, Château Beauregard

All Time Classics:

Château Pontet Canet, Château Léoville Barton, Château Montrose, Château Palmer, Château Clos Fourtet, Château Canon La Gaffelière, Château Canon, Château Clerc Milon, Château L'Église Clinet, Château Troplong-Mondot

BORDEAUX 2015 – Ein Bordelaiser Jahrgang voller Harmonie und Balance

Freitag, 1.4.2016. Kein Aprilscherz, gerade habe ich einen 1996er Mondavi Fumé Blanc im Glas. Ein weißer Mondavi, dem ich äußerst skeptisch gegenüber stehe. Zwar wurde dieser zum 30. Jubiläum des Fumé Blanc in Kalifornien abgefüllt, doch ich denke, dass ich ihn nicht ohne Grund irgendwo im Keller vergessen hatte. Doch was ist im Glas… Klar, er ist nicht mehr der Jüngste, somit ist sein Bukett auch reif, sehr reif. Aber auch sehr animierend, süß, Karamell, Vanille, dazu gesellen sich Zitrusnoten, etwas Orange und Bergamotte. Am Gaumen dann überraschend frisch. Natürlich keine Frische, die man jetzt von einem 15er Gutsriesling erwartet. Doch die Zitrusaromen finden sich gepaart mit grünem frischem Apfel (wie ich ihn liebe – zu reife und süße Äpfel mag ich nicht) und etwas Mandelnoten (Marzipan), Gras sowie leichten mineralischen Noten im Mund wieder. Ja, der Wein muss innerhalb einer Stunde nach dem Öffnen getrunken werden. Er verliert schnell an Kraft und Frische. Da ich etwas abgelenkt war, kann ich es sagen. Jetzt nach 2 Stunden merkt man sein Alter von 20 Jahren… Im Abgang dann leider etwas dumpf, Champignons und leider flacher – einfach altersschwach eben.

Wo genau ist der 2015er Jahrgang in und um Bordeaux wirklich groß?

Nun zum eigentlichen Thema, welches sonderbarerweise doch irgendwie mit den Fumé Blanc in Verbindung zu bringen ist. Denn dieser Wein erinnert mich in seiner Stilistik an die Weißweine, die wir in 2 Tagen „en Masse“ verkosten werden. Der Wein in meinem Glas erinnert stark an die Bordeaux Blanc der großen Châteaux. In 2 Tagen werden wir sie wieder im Glas haben, die Bordeaux Blanc der ehrwürdigen Bordelaiser Châteaux, die Roten Klassiker, Geheimtipps und Spitzenweine des 2015er Jahrgangs des Bordelais.

Wir freuen uns bereits seit Wochen auf die Begegnungen mit den Winzern, die Besuche der Châteaux und natürlich auf die Verkostung des 2015er Jahrgangs. Groß sollen die 2015er Weine aus den Appellationen rund um Bordeaux sein. Nicht zu groß, also kein Jahrhundertjahrgang, aber sehr gut. Besser noch als der überraschend gute 2014er. Frühling und Frühsommer waren perfekt, die Blüte der Reben war gleichmäßig ohne irgendwelche Wetterkapriolen. Danach schönes, heißes Sommerwetter. Die Reben waren dem Trockenstress ausgesetzt und entwickelten schön konzentrierte kleinbeerige Trauben. Doch umso länger es heiß und trocken blieb, umso größer war die Furcht vor einem Jahrgang mit wenig Säurestruktur wie 2003. Glücklicherweise regnete es dann endlich Anfang August und die Bordelaiser Winzer konnten aufatmen. Nach der Erleichterung folgte Freude, da ein wunderschöner „Indian Summer“ die Trauben vorzüglich ausreifen lies. Der ab September typische und in diesem Jahr eher moderate Regen war nur im Norden des Médoc ein Problem. Dies jedoch auch nur für die Châteaux, die ihre Hausaufgaben im Weinberg nicht gemacht hatten. Winzer und Négociant aus Bordeaux vergleichen den 2015er mit dem 2005er oder sogar dem 2000er Jahrgang. Nun sind wir an der Reihe, uns ein eigenes Bild zu machen und für Sie die Spreu vom Weizen zu trennen. Wir machen uns wieder auf die Suche nach Entdeckungen des Jahrgangs und freuen uns auf die kleinen aber feinen Unterschiede der Grand Cru Classé.

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