Urlaubserinnerungen

En Primeur 2014 - Unterwegs in Pauillac

En Primeur 2014  – „Une des plus grandes années du Médoc“ 

(M. Francois-Xavier Borie, Besitzer des Château Grand-Puy-Lacoste, Pauillac) 

Heute sitze ich wieder in der Heimat und schlürfe an einem Glas Sekt vom Weingut Reichsrat von Buhl. Viel mehr prickelndes Vergnügen gibt es zu diesem Kurs nirgends auf der Welt. Die französische Handschrift des neuen Kellermeisters Mathieu Kauffmann ist sofort zu schmecken, famos wie er den Riesling-Sekt durch seine jahrelange Erfahrung bei dem Champagnerhaus Bollinger in neue Sphären hebt. Chapeau!

Aber nun zum eigentlichen Thema:

Pauillac 2014

Der Startschuss fiel bei Château Pontet-Canet. Kenner fragen sich natürlich, warum steigen die gleich mit einem der Überflieger der letzten Jahre, sogar Jahrzehnte, ein? Der Grund ist ganz einfach. Im letzten Jahr überraschte Alfred Tesseron die gesamte Weinwelt, in dem er den Preis für seinen 2013er Pontet Canet bereits am Freitag vor der Primeur-Verkostung lancierte. Dieses Jahr wollten wir ihm zuvor kommen.

Der 1. Schluck löste großes Erstaunen in unserer kleinen Verkostergruppe aus, ist der Wein doch phänomenal weich, ohne Ecken und Kanten. Auch wenn wir viel Gutes über den 14er Jahrgang im Médoc gehört hatten, haben wir mit solch Superlative nicht gerechnet. Und weiter ging es im Akkord. Auf Château Grand-Puy-Lacoste fühlte wir uns im Bordelais angekommen, dank seiner 82% Cabernet Sauvignon ein Bordeaux der alten Schule mit sehr viel Kraft und schönen Tanninen. Francois-Xavier Borie stellte seinen 2014er den 2009er und 2010er gleich, für uns fehlte etwas Frucht und Extrakt, doch der 14er ist direkt dahinter, besser als alle „G-P-L“ (wie der Amerikaner gern vereinfacht sagt) des 21. Jahrhunderts. Ein langes, ereignisreiches Leben ist ihm garantiert! Frühzeitigen Spaß verspricht Château Haut-Batailly 2014, sein femininer Charakter betört schon jetzt.

Alfred Tesson, Besitzer des Château Pontet Canet (rechts) bei der Präsentation seines 2014er Grand Vin

Und feminin ging es weiter. Auf Château Mouton-Rothschild verkosteten wir die Weine der im letzten Jahr verstorbenen Baroness Phillipine de Rothschild. Château d’Armailhac bleibt seinem Stil gerecht. Charmant, sexy, feminin eben! Der etwas höhere Cabernet Sauvignon-Anteil im Château Clerc-Milon macht ihn burschikoser und verleiht ihm eine fantastische Struktur sowie einen kraftvollen Körper. Beide auf ihre Art hervorragend gelungen. Nun zu Château Mouton Rothschild – mit 83% mal wieder ein Cabernet-Monster, seine breiten Schultern beeindrucken. Was für eine Power! Ein wahrer Blockbuster des Jahrgangs!

Der Blick vom Verkostungszimmer in den Fasskeller von Château Mouton-Rothschild

Im Übrigen hatte sich Château Mouton-Rothschild bestens auf den Dauerregen der ersten Tage eingestellt. Mit Golf-Caddys wurden wir vom Empfang bis zu dem Verkostungsraum des Barrique-Kellers gefahren. Eine sehr lustige Angelegenheit für alle Beteiligten :). 

Etwas zurückhaltend, gar verschlossen, präsentierte sich dann Château Lafite-Rotschild. So richtig verstehen konnten wir es nicht. Waren doch dann Château Pichon-Longueville Baron und Château Pichon-Longueville-Comtesse-de-Lalande jeder für sich traumhaft. Auf den Baron ist Verlass, er marschiert in den letzten Jahren stets an der vordersten Front! Die Comtesse war hingegen in letzter Zeit etwas unbeständig, in manchen Jahren kaum zu verstehen. Die Investition in den neuen Keller scheint sich gelohnt zu haben. Endlich haben sie die Klasse des Terroirs in die Flasche gebracht, ein Geniestreich, im Pauillac fast auf dem Niveau wie Mouton!

Château Pédesclaux 2014

Doch nicht nur die Premier Crus oder die so genannten Super Seconds überzeugen in diesem Jahr. Château Pédesclaux, dessen Weinberge genau zwischen denen von Mouton und Lafite liegen, macht eine außerordentlich gute Figur. Die Weine steigen in den letzten Jahren immer weiter die Qualitätspyramide hinauf, denn nicht viele Weingüter können von sich behaupten, dass ihr 2012er besser ist als der 2010er und 2009er. Und der 2014er mit seinen weichen und kraftvollen Tanninen und der süßen Cassis-Frucht schießt den Vogel ab. Hoffen wir, dass der fulminante Weinwert bleibt und Jacky und Francoise Lorenzetti den Preis nicht erhöhen. Haben Sie doch gerade ihr Château renoviert und einen hoch modernen Weinkeller gebaut.

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