Rebsortenduell

En Primeur 2014 - Unterwegs am rechten Ufer der Gironde

"...exceptionel dans son originalité."

(Michel Rolland über Château Figeac 2014)

Mit etwas Skepsis im Gepäck fuhren wir am nächsten Morgen pünktlich – ja unsere französischen Begleiter waren wirklich pünktlich – in Richtung Pomerol. Leider wurden uns aufgrund der großen Herausforderungen wegen der klimatischen Bedingungen in 2014 weniger gute Qualitäten prognostiziert als sie im Médoc zu finden waren. Zu Anfang schien es sich auch zu bestätigen. Doch wie immer haben es einige begnadete Winzer geschafft, Weine zu keltern, die mehr als nur überzeugten.

Pomerol 2014

Château Plince bleibt seinem Stil gerecht, etwas rau, dunkle Früchte, Teer, Rauch, durch sein rustikales Tanningerüst gemacht für geduldige Bordeaux-Fans! Château La Fleur Petrus schien zu allererst etwas verhalten, spielte dann jedoch auf den höchsten Stufen der gesamte Tonleiter eines Pomerol (immer etwas geheimnisvoll gedämpft)! Seine beinahe burgundische Finesse mit einer unglaublichen Merlot-„Sweetness“ hätte uns fast den gesamten Vormittag beschäftigt.

Château Pétrus

Wäre da nicht noch der Besuch auf Château Pétrus (Preis auf Anfrage unter Tel. 04 21 - 3994 328) gewesen. Stilvoll bereits die handgeschriebene höchstpersönliche Einladung. Da war einem sofort klar, es wird, es muss etwas Besonderes ins Glas fließen. Und wir wurden nicht enttäuscht! Pétrus wird seiner Ausnahme-Stellung im Pomerol gerecht. Ein zarter, feiner Traum! Jeder der in den Genuss dieses Weines kommt, kann sich einfach nur glücklich schätzen!

 

Saint-Émilion 2014

In Saint-Émilion würden wir wieder auf eine Vielzahl besserer Weine treffen. Obwohl auch hier galt, bei der Ernte streng zu selektieren, davor im Weinberg mehr als nur Hundearbeit zu verrichten und die besten Terroirs (am besten Cabernets auf Kalkstein) sich zu eigen nennen. Besonders gespannt waren wir auf die vermeintlich kleinen Weine. Château La Fleur Cardinale ist wenig bescheiden in seiner Frucht, mit viel Saft und Sex-Appeal ein fantastischer Weinwert. Die Entdeckung in der Preisklasse um 30,- Euro war Château Grand Mayne. Ein Wein mit Klasse, kühler Noblesse, unfassbar harmonisch, ja gar beruhigend in seiner Art!

Der Fasskeller im Château Figeac.

Im Dauerregen dann zu Château Figeac. In welche Richtung würde der im letzten Jahr eingeschlagene Weg führen? Doch zuerst der Petit Figeac. Spaß im Glas! Modern, nobel, très chic. Haut-Couture dann der Grand Vin. Eine Präsentation der Liebe zum Terroir, mineralisch, fast knackig frisch mit einer einmaligen Fruchtpalette. Und er kommt etwas schwereloser und zarter daher, als noch vor zwei bis drei Jahren. Wie stets bei Innovationen wird er noch ein paar Jahre die Geister scheiden, so auch in unserer Runde. Summa summarum ein Fixstern des 2014er Bordeaux-Jahrgangs. Ebenso hell erstrahlt Château Troplong-Mondot. Wie immer ein tiefdunkler Power-Wein mit Wahnsinns-Extrakt. Traumhaft tief in der Frucht mit weichen Tanninen gelingt der Spagat zwischen Moderne und Tradition vorzüglich! Bewiesen wurde der Eindruck beim Mittagessen auf Troplong-Mondot. Denn es wurden 1999 (vorzügliche malzige Fruchtsüße), 2006 (feinste Cabernet-Noten im Überschwang, Cassis, gesalzene Pimientos) und 2011 (ein heißer, noch seine innere Ruhe suchender Troplong-Mondot) gereicht. Es war so, als wenn im 14er die Stärken aller drei Jahrgänge vereint sind!

Château Canon La Gaffeliére

 In den Mittagsstunden klarte nun auch der Himmel auf. Die Sonne schien über die noch kahlen Hügel der Appellation Saint-Émilion. Kein Wunder, dass sich im Jahr mehr als 1 Mio. Menschen hier her „verirren“. Wir hatten noch ein Ziel, der Superstar Saint-Émilions hatte geladen. Wie immer (ganz gleich ob vor 10 Jahren als weininteressierter Student oder jetzt als Weinhändler) empfing uns Graf von Neipperg auf Château Canon La Gaffeliere mit offenen Armen. Wir merkten sofort, da muss 2014 wohl etwas Großes in den Fässern liegen?! Ein Schluck und unsere Augen strahlten! Sein Canon La Gaffeliere wird aller Voraussicht nach die Championsleague um Figeac, Troplong-Mondot, Angelus, Cheval Blanc & co. gewinnen. Einfach eine Wucht! Die fantastische Frucht (von schwarzen Johannisbeeren und Blaubeeren) harmoniert absolut perfekt mit einer so  animierenden Mineralität und Säure. Kein Wein für die kommenden 5 Jahre, dafür im Alter ganz sicher ein großes Erlebnis!

Pessac-Léognan 2014

Fans des Château Smith-Haut-Lafitte brauchen ebenfalls Zeit, bis er richtig Fahrt aufnehmen wird. Das ist nahezu immer so und wird mit dem Jahrgang 2014 mal wieder bewiesen. Ätherisch Noten, Fruchtaromen von Pflaume und Cassis und eine endlose Frische verleihen ihm eine wahnsinnige Länge! Besser noch Château La Mission Haut-Brion. Schon in der Nase eine unglaubliche Eleganz. Am Gaumen seidig, sanft und mit sich immer wieder veränderten Fruchtaromen. Gewürze, Pfeffer, ein Alleinstellungsmerkmal in den letzten Tage. Einfach genial! Ähnlich Château Haut-Brion, mit etwas mehr Gewicht auf der Zunge, opulenter und schon präsenter als La Mission. Hier changieren die Fruchtaromen von Cassis, über Blaubeere bis hin zu leichten Anklängen von Pfirsich. Der Abgang schokoladig, Teer, Lakritze, etwas salzig, animierend und mehrere Minuten andauernd! An Genialität kaum zu übertreffen die Weißweine. Schlank, fein und frisch der La Mission Haut-Brion Blanc - Assoziationen an einen eiskalten Bergbach! Reif, voll der Haut-Brion Blanc. Irgendwie wie eine Spätlese des La Mission!

Verkostung auf dem Château Haut-Brion

Fazit - Bordeaux Jahrgang 2014

Mit diesen Weinen durften wir die diesjährige „Dégustation Primeurs“ beenden. Nun werden wir für Sie wie jedes Jahr die Spreu vom Weizen trennen und die besten Weine des sehr guten Jahrgangs 2014 anbieten. Auch wenn der Jahrgang nicht zu vergleichen ist mit den wirklichen „großen“ Jahrgängen 2009 und 2010 haben wir wirklich „große“ Weine verkosten dürfen. Drücken wir nun die Daumen, dass die Château Besitzer und Winzer verstanden haben, dass große Weine auch getrunken werden müssen. Das wird jetzt ganz klar deren Preisstellung zeigen…

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