Herr Di Cesare, was fasziniert Sie am meisten an Mendoza und seinen Weinen?

Am meisten fasziniert mich an Mendoza die Verbindung zwischen Landschaft und Wein. Alles beginnt mit den Anden: Sie prägen den Weinanbau, liefern Wasser für unsere Weinberge und bestimmen maßgeblich den Charakter unserer Weine.

Mendoza bietet eine unglaubliche Vielfalt. Auf relativ kurzer Strecke trifft man auf unterschiedliche Höhenlagen, Landschaften und Böden. So können wir Weine mit ganz verschiedenen Charakteren erzeugen. Diese Vielfalt überrascht mich immer wieder aufs Neue.

Am spannendsten finde ich, dass jeder Wein eine Geschichte über den Ort erzählt, an dem er entstanden ist. Wenn ich einen Wein aus Mendoza probiere, spüre ich darin einen Teil unserer Landschaft und unserer Kultur. Diese Verbindung zwischen Natur, Menschen und Wein macht die Region für mich so besonders.

Chile und Argentinien sind Nachbarländer und bringen dennoch sehr unterschiedliche Weine hervor. Wie würden Sie den Unterschied jemandem erklären, der sich nicht mit Wein auskennt?

Ein junges Paar sitzt im Winter mit Wein auf der Motorhaube eines Geländefahrzeugs.

Obwohl wir die Anden teilen, sind die Bedingungen auf beiden Seiten sehr unterschiedlich.

Chile wird stark vom Pazifik beeinflusst. Mendoza hingegen ist durch die Anden geschützt und liegt weit entfernt vom Pazifik wie auch vom Atlantik. Deshalb beschreiben wir das Klima in Mendoza als kontinental und die Region als echte Hochgebirgswüste.

Es fällt nur sehr wenig Regen, in der Regel weniger als 200 Millimeter pro Jahr. Die Kombination aus Sonnenschein, Höhenlage und trockener Luft schafft einzigartige Bedingungen für den Weinanbau.

All diese Faktoren spiegeln sich in den Weinen wider. Die Unterschiede mögen fein sein, verleihen argentinischen und chilenischen Weinen aber jeweils eine eigene Identität. Das ist eines der faszinierendsten Dinge am Wein: zu entdecken, wie jeder Ort dem Wein im Glas seinen Stempel aufdrückt.

Argentinien ist für Malbec bekannt. Was macht diese Rebsorte für Sie so besonders?

Dunkle Malbec-Traubenrebe im Weinberg.

Die größte Stärke des Malbec ist meiner Meinung nach, dass er sich anpassen und ganz unterschiedliche Facetten zeigen kann, ohne seine Identität zu verlieren.

Die Rebsorte fühlt sich in Mendoza besonders wohl und hat sich hervorragend an die vielfältigen Landschaften der Provinz angepasst. Je nach Anbaugebiet zeigt sie unterschiedliche Stilrichtungen und Eigenschaften. Dabei bewahrt sie stets die Frucht, die Ausgewogenheit und den Charakter, die sie so reizvoll machen.

Malbec hat noch eine besondere Eigenschaft: Mit ihm lässt sich die Vielfalt Argentiniens entdecken. Anhand einer einzigen Rebsorte kann man verschiedene Regionen erkunden und erleben, wie sich der Wein je nach Herkunft verändert.

Deshalb bleibt Malbec die wichtigste Rebsorte Argentiniens und einer der bedeutendsten Botschafter des Landes in der Welt.

Welche Entwicklungen und Trends beobachten Sie derzeit in der argentinischen Weinbranche? Und wo sehen Sie die größten Chancen?

Ich sehe zwei sehr klare Trends: Erstens wächst das Interesse an Weinen, die ihre Herkunft widerspiegeln. Die Verbraucher möchten wissen, woher ihr Wein kommt. Zudem wollen sie die Geschichte dahinter verstehen und mit authentischen Orten in Verbindung treten.

Weine, die ein bestimmtes Terroir widerspiegeln, treffen diesen Wunsch besonders gut. Die Menschen schätzen solche Weine nicht nur wegen ihrer Qualität, sondern auch, weil sie für eine Kultur, eine Lebensweise und ein Gefühl von Identität stehen. Häufig sind sie mit Reisen, Gastronomie und besonderen Erlebnissen verbunden – all das wird für die Verbraucher immer wichtiger.

Der zweite Trend ist die wachsende Nachfrage nach frischeren, leichteren Weinen, die zu einem modernen Lebensstil passen. Jüngere Generationen suchen nach flexibleren und ausgewogeneren Formen des Weingenusses.

Die größte Chance für Argentinien liegt meiner Meinung nach darin, beide Ansätze zu verbinden: weiterhin die Vielfalt unserer Herkunft zu zeigen und zugleich innovative Weine zu entwickeln, die neue Wein-Enthusiasten ansprechen.

Welche Rebsorten oder Weinregionen Argentiniens verdienen international mehr Aufmerksamkeit?

Malbec wird Argentiniens wichtigste Rebsorte bleiben. Doch ich glaube, dass es noch viel mehr zu entdecken gibt. Bei den weißen Rebsorten möchte ich Chardonnay hervorheben, der in Mendoza hervorragende Ergebnisse hervorbringt. Auch Semillón, eine traditionsreiche Rebsorte, erlebt gerade eine Renaissance und hat großes Potenzial, die Weinwelt zu überraschen.

Bei den roten Rebsorten ist Cabernet Franc heute wahrscheinlich eine unserer spannendsten Rebsorten. Daraus entstehen Weine mit bemerkenswertem Charakter und hoher Qualität, die weltweit zunehmend Anerkennung finden.

Auch die verschiedenen Anbaugebiete innerhalb Mendozas verdienen meiner Meinung nach mehr Aufmerksamkeit. Regionen wie Gualtallary, Paraje Altamira, Chacayes und Las Compuertas entwickeln jeweils ein unverwechselbares Profil und eröffnen neue Wege, argentinischen Wein zu entdecken.

Wenn Sie Weinliebhabern weltweit eine Botschaft über Argentinien und seine Weine mitgeben könnten: Welche wäre das?

Ein Glas Rotwein wird aus einer Trivento-Flasche eingeschenkt.

Ich möchte Weinfreunde überall dazu einladen, argentinische Weine neugierig und unvoreingenommen zu entdecken.In jedem Glas steckt weit mehr als Duft und Geschmack. Es erzählt von Landschaften, Geschichten und Menschen sowie von einer Kultur, die eng mit dem Wein verbunden ist.

Wenn Sie einmal die Gelegenheit haben, Argentinien zu besuchen, empfehle ich Ihnen, unsere Weinregionen zu erkunden, durch die Weinberge zu gehen und gemeinsam bei einem Glas Wein aus der Region zu essen. So lässt sich am besten verstehen, was unser Land so besonders macht.

Hinter jeder Flasche stehen harte Arbeit, Leidenschaft und der Wunsch, einen einzigartigen Ort zum Ausdruck zu bringen. Ich glaube, dass die Authentizität einer der wichtigsten Gründe dafür ist, dass argentinische Weine weltweit eine Verbindung zu Weinliebhabern aufbauen.