Ramírez persönlicher Hintergrund und seine Leidenschaft für Wein
Herr Ramírez, Sie arbeiten seit vielen Jahren mit Wein. Erinnern Sie sich an den Moment, in dem Sie erkannt haben: Das möchte ich beruflich machen?
Ich glaube nicht, dass es diesen einen entscheidenden Moment gab. Es hat sich im Laufe der Zeit ganz natürlich entwickelt. Was mich am Wein fasziniert hat, war die Verbindung aus Landwirtschaft, Wissenschaft, Natur und Menschen. Jeder Jahrgang ist anders, jeder Weinberg lehrt einen etwas Neues, und man hört eigentlich nie auf zu lernen. Das hat mir wahrscheinlich bewusst gemacht, dass Wein für mich nicht nur ein Beruf ist, sondern etwas, dem ich mein Leben widmen möchte.
Was macht Chile für Sie persönlich zu einem so besonderen Weinland?
Chile verfügt auf vergleichsweise kleinem Raum über eine außergewöhnliche Vielfalt an Klimazonen, Böden und Landschaften. Wir haben die Anden, den Pazifischen Ozean und den kalten Humboldtstrom. Sie alle beeinflussen Weinberge, die sich vom Norden bis in den äußersten Süden erstrecken.
Besonders spannend finde ich, dass wir noch immer mehr von dem entdecken, wozu Chile fähig ist. Wir haben viele etablierte Weinregionen, aber auch neue Terroirs und Rebsorten, die uns weiterhin überraschen. Es gibt noch enormes Potenzial, der Welt, die Vielfalt und Identität des chilenischen Weins zu zeigen.

Concha y Toro heute
Wenn Sie Concha y Toro in wenigen Worten Menschen beschreiben müssten, die sich nicht täglich mit Wein beschäftigen: Wofür steht das Weingut heute?
Ich würde sagen, Concha y Toro steht für die Verbindung von Tradition, Qualität und ständiger Weiterentwicklung. Wir blicken auf mehr als 140 Jahre Geschichte und ein enormes Wissen über die chilenischen Weinberge zurück – gleichzeitig richten wir unseren Blick immer nach vorn. Wir erkunden weiterhin neue Terroirs, verbessern unsere Arbeit in den Weinbergen und im Weingut und suchen nach Möglichkeiten, Weine zu erzeugen, die ihre Herkunft noch präziser zum Ausdruck bringen.
Eine der größten Stärken von Concha y Toro ist für mich die Fähigkeit, Größe und Beständigkeit mit dem Anspruch zu verbinden, Weine von äußerst hoher Qualität und mit einer starken Identität zu erzeugen.
Die Weinlinie »The Wine« von Concha y Toro
Mit Concha y Toros »The Wine« gibt es eine Weinlinie, die den Namen des Weinguts bewusst in den Mittelpunkt stellt. Was ist die Idee dahinter?
Den Namen Concha y Toro in den Mittelpunkt zu stellen, bringt eine große Verantwortung mit sich, denn er steht für alles, was wir in mehr als 140 Jahren Weinbau in Chile gelernt haben.
Die Idee ist, Weine zu schaffen, die sehr klar zum Ausdruck bringen, wofür Concha y Toro steht: Qualität, Beständigkeit, unser Wissen über die Weinberge und eine zeitgemäße Sicht auf den chilenischen Wein. Es sollen Weine sein, die unmittelbar Freude bereiten und gleichzeitig genügend Charakter und Identität besitzen, damit die Menschen verstehen, woher sie kommen.
Zu welchem Anlass würden Sie persönlich eine Flasche »The Wine« öffnen?
Ich glaube, Wein braucht nicht immer einen besonderen Anlass. Manchmal kann die Flasche selbst den Anlass schaffen.
Ich würde ihn zu einem Abendessen mit der Familie oder mit Freundinnen und Freunden öffnen – wenn man etwas Gutes miteinander teilen möchte, ohne den Moment zu formell zu gestalten. Für mich entstehen einige der schönsten Weinerlebnisse an einem Tisch, bei gutem Essen, im Gespräch und mit Menschen, mit denen man gerne zusammen ist.

Was sollen Menschen beim Trinken dieses Weins erleben – unabhängig von Fachbegriffen oder Verkostungsnotizen?
Zunächst einmal möchte ich, dass sie ihn genießen. Bevor man über Aromen, Tannine, Säure oder technische Details spricht, sollte Wein ein Gefühl auslösen und Lust auf ein weiteres Glas machen.
Die Menschen sollen den Wein als ausgewogen, ausdrucksstark und authentisch erleben und hoffentlich neugierig auf Chile und auf Concha y Toro werden. Letztlich ist das größte Kompliment für einen Winzer nicht unbedingt, dass jemand den Wein fachlich beschreibt. Es besteht darin, Menschen dabei zu sehen, wie sie einen Wein gemeinsam genießen und anschließend mehr von genau dieser Sorte trinken möchten.
Trends und Zukunftsperspektiven
Welche Rebsorten oder Weinregionen in Chile und Argentinien verdienen Ihrer Meinung nach auf den internationalen Märkten mehr Aufmerksamkeit?
Ich denke, Chile hat international noch sehr viel zu zeigen.
Carménère ist sicherlich eine der Rebsorten, die mehr Aufmerksamkeit verdient. Sie ist zu einem Teil der Identität Chiles geworden, und heute verstehen wir sehr viel besser, wo und wie wir sie anbauen müssen, um Weine mit Frische, Eleganz und einem echten Ausdruck ihrer Herkunft zu erzeugen. Peumo ist dafür ein sehr gutes Beispiel.
Hervorheben würde ich außerdem Cabernet Sauvignon aus dem Maipo-Tal, insbesondere aus den Ausläufern der Anden, sowie das enorme Potenzial unserer kühlen Weinbauregionen für Rebsorten wie Sauvignon Blanc, Chardonnay und Pinot Noir.
Am meisten begeistert mich, dass sich die internationale Wahrnehmung Chiles weiterentwickelt. Wir lösen uns von der Vorstellung, dass Chile lediglich hervorragende Weine zu einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis erzeugt, und zeigen, dass wir auch eigenständige, vom Terroir geprägte Weine mit echter Weltklassequalität hervorbringen können.
Zum Abschluss: Ramírez Botschaft an alle Weinliebhaber
Wenn Sie Weinliebhabern auf der ganzen Welt eine Botschaft über Chile, Argentinien und ihre Weine mitgeben könnten: Wie würde sie lauten?
Meine Botschaft wäre: Entdecken Sie Chile weiter.
Chile ist viel vielfältiger, als viele Menschen denken. Hinter jedem Tal verbirgt sich eine andere Kombination aus Klima, Boden, Höhenlage und dem Einfluss der Anden oder des Pazifiks – und diese Vielfalt spiegelt sich zunehmend in unseren Weinen wider.
Wir blicken auf eine lange Weinbautradition zurück, befinden uns meiner Meinung nach aber gleichzeitig noch in einer sehr spannenden Phase der Entdeckung. Deshalb möchte ich alle Weinliebhaber dazu einladen, chilenischen Wein nicht nur zu trinken, sondern dabei auch seine Herkunft, die verschiedenen Täler und Rebsorten zu erkunden. Ich glaube, sie werden Weine mit Authentizität, Persönlichkeit und einer starken Verbindung zu ihrem Herkunftsort finden.
