Die Barossa und Peter Lehmann

Peter Lehmann Wines ist eng mit dem Barossa Valley verbunden. Wenn Sie jemandem, der noch nie dort war, die Barossa beschreiben müssten: Was würden Sie dieser Person sagen?

Ich möchte, dass sich diese Person einen Ort vorstellt, der zugleich rau und großzügig wirkt. Die Barossa ist keine gepflegte Weinregion im europäischen Sinne – sie hat einen ganz eigenen australischen Charakter. Trockene, warme Hügel, alte Eukalyptusbäume, rotbraune Erde, Weinberge, die seit Generationen bewirtschaftet werden, und einige außergewöhnlich alte Rebstöcke, die Dürre, Hitze, Überschwemmungen und alles andere überstanden haben, was das australische Klima ihnen abverlangen kann.

Für mich geht es in der Barossa jedoch vor allem um die Menschen. Hier gibt es ein starkes Gefühl von Familie und Gemeinschaft sowie eine echte Verbindung zwischen den Winzerinnen und Winzern, den Weinbergen und den Kellereien. Man kann durch das Tal fahren und an Weinbergen vorbeikommen, die vom Urgroßvater einer Familie angelegt wurden und heute noch von seinen Nachkommen gepflegt werden.

Dazu kommen die Küche, der Wein, die Geschichte und die Landschaft, die hier zusammenfinden. Die Barossa hat viel Selbstbewusstsein, ohne laut sein zu müssen. Ich glaube, genau das macht sie so besonders: Sie hat eine sehr starke Identität, und diese Identität kann man in den Weinen schmecken.

Was macht die Barossa zu einem so besonderen Ort für den Weinbau? Und was gibt die Region Ihren Weinen, das Sie anderswo nicht erreichen könnten?

Ich glaube, es ist die Kombination verschiedener Faktoren und nicht ein einzelner Aspekt. Die Barossa hat ein warmes, trockenes Klima, unglaublich vielfältige Böden und eine bemerkenswerte Sammlung alter Weinberge – einige davon gehören zu den ältesten der Welt. Auf relativ kurzer Strecke kann man deutliche Unterschiede bei Höhenlage, Boden und Ausrichtung beobachten. Diese Unterschiede beeinflussen den Charakter der Trauben ganz erheblich.

Das Klima ist besonders wichtig. Wir haben viel Sonne und Wärme, aber die Nächte können deutlich abkühlen, vor allem in den höher gelegenen Teilen des Eden Valley. Dadurch können die Trauben vollständig ausreifen und gleichzeitig Frische und Struktur bewahren. Und bei Rebstöcken, die teilweise weit über 100 Jahre alt sind, verfügen die Weinberge über eine ganz besondere Tiefe und Widerstandsfähigkeit.

Was die Barossa unseren Weinen meiner Meinung nach gibt und anderswo am schwersten nachzuahmen ist, ist jedoch das Gefühl für den Herkunftsort. Die Früchte aus der Barossa, insbesondere der Shiraz, sind großzügig und konzentriert. Das muss aber nicht zu schweren oder überreifen Weinen führen. Wenn Weinberg, Jahrgang und Kellerarbeit zusammenpassen, können sich Fülle, Würze, Struktur und Frische bei einem vergleichsweise moderaten Alkoholgehalt verbinden.

Diese Kombination lässt sich nur sehr schwer an einem anderen Ort wiederholen. Man kann überall auf der Welt Shiraz anpflanzen – das Terroir der Barossa kann man jedoch nicht nachbilden.

Peter Lehmann ist eine der großen Persönlichkeiten der australischen Weingeschichte. Was für ein Mensch war er? Und was machte seinen Umgang mit Wein und Menschen so besonders?

Peter war eine sehr charakterstarke Persönlichkeit mit einem wunderbaren Sinn für Humor und einem ausgesprochen schnellen Verstand. Er konnte Menschen die Anspannung nehmen, und das war ein wesentlicher Grund dafür, dass ihm so sehr vertraut und so viel Respekt entgegengebracht wurde.

Es gibt viele Geschichten, die seinen Charakter zeigen. Eine meiner liebsten handelt von Charles Melton. Als junger Mann, der in Peters Keller arbeitete, hieß Charles eigentlich Graham. Peter nannte ihn immer Charlie. Als Graham ihn korrigierte, sagte Peter einfach: »Verdammt noch mal, du siehst eben wie ein Charlie aus!« Und so wurde er zu Charlie. Dass Graham später unter dem Namen Charles Melton eines der angesehensten Weinunternehmen Australiens aufbaute, macht die Geschichte noch besser.

Peter hat außerdem viele junge Winzerinnen und Winzer gefördert, von denen einige später zu den angesehensten Namen des australischen Weins wurden. Er teilte sein Wissen großzügig und gab den Menschen – was besonders wichtig war – eine Chance.

Das vielleicht treffendste Bild von Peter zeigt ihn während der Weinlese an der Wiegebrücke. Das war fast so etwas wie ein informeller Treffpunkt, an dem Männer auch über ihre psychische Gesundheit sprechen konnten – lange bevor man diesen Begriff überhaupt verwendete. Die Traubenerzeuger kamen mit ihrer Ernte an, und Peter stand dort und unterhielt sich mit ihnen: über den Jahrgang, die Weinberge, das Wetter und wahrscheinlich über alles, was gerade zur Sprache kam. Es gab frische Erzeugnisse aus der Barossa, man aß gemeinsam, erzählte Geschichten und lachte viel.

Das war Peter. Er verstand, dass Wein nicht nur mit dem zu tun hat, was in den Tank oder in die Flasche kommt. Es geht eben auch um Menschen, Beziehungen und Gemeinschaft. Sein Vermächtnis lebt nicht nur in den Weinen weiter, sondern auch in den Menschen, denen er auf ihrem Weg geholfen hat.

Die Geschichte von Peter Lehmann Wines begann mit einem Versprechen an die Traubenerzeuger der Barossa. In einer Zeit, in der viele Schwierigkeiten hatten, ihre Trauben zu verkaufen, stand Peter Lehmann zu ihnen und baute seine Kellerei auf diesen Beziehungen auf. Wie wichtig ist diese Verbindung zwischen Traubenerzeugern und Winzerinnen und Winzern heute für das Unternehmen?

Sie ist absolut grundlegend. Peters Philosophie war sehr einfach: Sein Wort galt. Er stand zu den Traubenerzeugern, als sie ihn am dringendsten brauchten, und dieses Gefühl der Loyalität steht bis heute im Zentrum von Peter Lehmann Wines.

Deshalb ist auch die Eigentümerstruktur des Unternehmens wichtig. Als Margaret Lehmann ihren letzten Anteil am Unternehmen verkaufte, war sie entschlossen, dass es in Familienhand bleiben sollte, statt Teil eines großen Konzerns zu werden. Sie wollte die Existenzgrundlagen der Traubenerzeuger schützen und die Beziehungen bewahren, die Peter im Laufe seines Lebens aufgebaut hatte.

Heute gehören wir unter John Casella zu Casella Family Brands, Australiens größtem familiengeführten Weinunternehmen. Diese Familienstruktur hat es ermöglicht, die ursprüngliche Philosophie fortzuführen. Es gibt ein echtes Verständnis dafür, dass unser Erfolg mit dem Erfolg der Traubenerzeuger verbunden ist, mit denen wir zusammenarbeiten.

Viele dieser Beziehungen reichen über Generationen zurück. Wir kennen die Familien, wir kennen die Weinberge, und wir wissen, dass es sich nicht einfach um Traubenlieferanten handelt: Es sind die Menschen, die unsere Weine überhaupt möglich machen. Diese Verbindung hat Peter mit großer Leidenschaft geschützt, und sie ist bis heute einer der wichtigsten Teile seines Vermächtnisses.

Die Beziehung zwischen der Kellerei und ihren Traubenerzeugern stand immer im Mittelpunkt von Peter Lehmann Wines. Warum sind diese langfristigen Partnerschaften für die Qualität und den Charakter Ihrer Weine so wichtig?

Für mich liegt einer der größten Werte einer langfristigen Beziehung zu einem Traubenerzeuger im Wissen. Wenn man viele Jahre mit denselben Familien und Weinbergen arbeitet, lernt man diese Lagen unglaublich gut kennen. Man versteht, wie sie auf unterschiedliche Witterungsverhältnisse reagieren, woher die besten Trauben kommen und was jeden Weinberg einzigartig macht.

Dieses Wissen gibt uns das Vertrauen, den Weinberg für sich selbst sprechen zu lassen. Wir kaufen nicht einfach Trauben; wir arbeiten mit Traubenerzeugern zusammen, die ihr Land genau kennen und sehr stolz auf das sind, was sie erzeugen.

Es verleiht den Weinen außerdem eine gleichbleibende Identität. Die Bedingungen eines Jahrgangs ändern sich immer, doch der Charakter eines großartigen Weinbergs bleibt. Durch diese langfristigen Beziehungen können wir diesen Charakter Jahr für Jahr einfangen und gleichzeitig jedem Jahrgang erlauben, seine eigene Geschichte zu erzählen.

Ich glaube, das ist eine der großen Stärken von Peter Lehmann Wines. Die Traubenerzeuger sind wirklich Teil der Geschichte hinter den Weinen und nicht einfach nur Lieferanten der Kellerei.

Alte Reben, Weinberge und lokaler Charakter

Ein Mann wandert zwischen den Rebstöcken eines Weinbergs von Peter Lehmann im australischen Barossa Valley.

In der Barossa gibt es einige außergewöhnliche alte Weinberge. Was ist so besonders an der Arbeit mit alten Reben, und was können sie zu einem Wein beisteuern, das jüngere Weinberge vielleicht nicht leisten können?

Es ist ein sehr demütiges Gefühl, mit einem Weinberg zu arbeiten, der seit Generationen Früchte trägt. Man spürt ein echtes Vermächtnis – man macht nicht einfach nur einen Wein aus diesen Reben, sondern wird Teil einer Geschichte, die lange vor der eigenen Zeit begonnen hat.

Wenn wir über alte Reben sprechen, verwechseln wir meiner Meinung nach jedoch oft Ursache und Wirkung. Sie sind nicht einfach deshalb großartig, weil sie alt sind; sie sind alt geworden, weil sie gut waren. Sie haben überlebt, weil Generation um Generation von Traubenerzeugern in ihnen genügend Wert erkannt hat, um sie weiter zu pflegen.

Aus Sicht der Weinbereitung können ausgewachsene Reben den Trauben eine Tiefe und Vollständigkeit verleihen, die sich bei jüngeren Weinbergen nur schwer nachbilden lässt. Die Aromen sind reif und komplex, während die Tannine bemerkenswert kraftvoll, fein und nachhaltig sein können. Oft besitzt die Frucht ein natürliches Gleichgewicht, sodass man den Wein im Keller nicht erzwingen muss.

Vielleicht am wichtigsten ist, dass alte Reben eine unglaubliche Widerstandsfähigkeit besitzen. Sie haben Dürre, Hitze, nasse Jahreszeiten und alles dazwischen erlebt und können weiterhin ausgewogene Trauben hervorbringen, wenn jüngere Weinberge Schwierigkeiten haben. Diese Beständigkeit unter unterschiedlichen Jahrgangsbedingungen ist unglaublich wertvoll.

Für mich ist das das eigentliche Privileg bei der Arbeit mit alten Reben. Man kümmert sich um etwas, das über Generationen hinweg überlebt hat, und die eigene Aufgabe besteht im Grunde nur darin, ihm nicht im Weg zu stehen.

Sie arbeiten mit Weinbergen in verschiedenen Teilen der Barossa. Wie stark kann sich beispielsweise der Charakter von Shiraz in Abhängigkeit von Weinberg, Boden und Lage verändern?

Enorm. Über die Barossa wird oft gesprochen, als wäre sie ein einziger Weinberg. Tatsächlich ist sie jedoch eine bemerkenswert vielfältige Region. Sie ist ungefähr 30 Kilometer breit und 60 Kilometer lang – und beherbergt etwa ein Zehntel der Rebfläche von Bordeaux. Auf dieser Fläche finden wir dennoch ein Mosaik aus unterschiedlichen Mesoklimaten, Höhenlagen, Ausrichtungen und Bodentypen.

Diese Vielfalt kann den Shiraz stark beeinflussen. Zwischen wärmeren, tiefer gelegenen Lagen und kühleren Weinbergen in höheren Lagen gibt es deutliche Unterschiede bei Reifezeitpunkt und Fruchtcharakter. In manchen Jahrgängen können die Weinberge an den entgegengesetzten Enden der Region bis zu zwei Wochen auseinanderliegen, wenn sie ihre Reife erreichen.

Für uns ist diese Vielfalt ein großer Vorteil. Eine wärmere Lage kann Großzügigkeit, Fülle und reife Frucht hervorbringen, während eine kühlere oder höher gelegene Lage mehr Duft, Würze, Säure und Struktur beitragen kann. Die Böden sorgen für eine weitere Ebene der Komplexität.

Das bedeutet, dass es nicht den einen »Barossa Shiraz«-Stil gibt – vielmehr gibt es viele Ausdrucksformen. Eine der schönsten Seiten unserer Arbeit besteht darin, diese Unterschiede zu verstehen und die richtigen Trauben dem richtigen Wein zuzuordnen. Die Barossa mag verhältnismäßig klein sein, doch auf engem Raum vereint sie eine außergewöhnliche Vielfalt.

Ihre VSV-Weine – Very Special Vineyard – konzentrieren sich auf einzelne Weinbergslagen. Welche Merkmale muss ein Weinberg zeigen, damit Sie entscheiden, dass seine Trauben separat abgefüllt werden?

Er muss im Glas etwas wirklich Besonderes zeigen – einen individuellen Charakter, Ausgewogenheit, Struktur, Duft oder eine Textur, die ihn von den anderen Weinen des Jahrgangs abhebt. Er muss eine eigene Persönlichkeit besitzen.

Wir entscheiden das nicht einfach deshalb, weil uns ein bestimmter Weinberg oder Traubenerzeuger gefällt. Unsere VSV-Weine werden im Rahmen unserer jährlichen Barossa-Shiraz-Klassifizierung ausgewählt – ein strenges Verfahren, das etwa eine Woche dauert. Unsere Winzerinnen und Winzer verkosten ungefähr 120 Barossa-Shiraz-Weine des Jahrgangs, vollständig blind. Wir kennen weder den Traubenerzeuger noch den Weinberg, die Größe der Parzelle oder sogar den Erntezeitpunkt. Wir bewerten die Weine und grenzen die Auswahl Schritt für Schritt ein. Einige Weine werden vier- oder fünfmal verkostet, bis wir die besten Weine des Jahrgangs ermittelt haben.

Dieser Blindansatz ist sehr wichtig. Er beseitigt so viele Vorurteile wie möglich und bedeutet, dass der Wein seinen Platz ausschließlich durch das verdienen muss, was im Glas steckt.

Die VSV-Einordnung ist dann einem Wein vorbehalten, der nicht nur in die Spitzengruppe gelangt, sondern etwas so Eigenständiges besitzt, dass er es verdient, für sich allein zu stehen. Die Traubenerzeuger werden für diese Leistung durch Prämien belohnt, wenn ihre Weine die Klassifizierungen Stonewell, Masters, Hill & Valley und VSV erreichen.

Letztlich suchen wir einen Wein mit so viel Persönlichkeit, dass wir sagen können: Dieser Weinberg hat etwas Besonderes zu erzählen und verdient seine eigene Stimme.

Shiraz: Das Herz der Barossa

Ein Mann hält Reben mit dunklen Shiraz-Trauben.

Shiraz ist fast ein Synonym für die Barossa. Was fasziniert Sie persönlich an dieser Rebsorte?

Ich glaube, es ist ihre Charakterstärke. In dieser Hinsicht erinnert mich Shiraz an Peter Lehmann selbst: Die Rebsorte hat eine starke Persönlichkeit und scheut sich nicht, sie zu zeigen.

Peter war fest davon überzeugt, dass Barossa Shiraz der beste Shiraz der Welt sei, und ich muss ihm zustimmen. Was mich fasziniert, ist die enorme Bandbreite an Stilen, die wir in der Region erzeugen können. Je nach Lage, Jahrgang und Erntezeitpunkt können wir lebendige, duftige Weine ebenso erzeugen wie Weine mit unglaublicher Fülle und Konzentration.

Im besten Fall verbindet Barossa Shiraz reife rote Früchte, natürliche Tannine und Säure auf wunderbare Weise. Er besitzt die Struktur und Konzentration, um über Jahrzehnte zu reifen, kann aber auch in seiner Jugend unglaublich viel Freude bereiten. Er bringt seinen Weinberg und Boden bemerkenswert klar zum Ausdruck und harmoniert zugleich mit französischem und amerikanischem Holz. So können wir eine weitere Ebene der Komplexität schaffen, ohne seine Identität zu verlieren.

Das macht Shiraz für mich so faszinierend. Die Rebsorte hat die Kraft, ein klares Statement abzugeben, und gleichzeitig genügend Vielseitigkeit, um viele unterschiedliche Geschichten zu erzählen. Und trotz all der Jahre glaube ich noch immer nicht, dass wir schon alles entdeckt haben, was Barossa Shiraz leisten kann.

Barossa Shiraz wird oft mit Fülle, Kraft und Reichhaltigkeit verbunden. Gleichzeitig können viele der besten Weine der Region eine bemerkenswerte Frische und Eleganz zeigen. Wie sieht ein großartiger Barossa Shiraz für Sie heute aus?

Für mich geht es bei großartigem Barossa Shiraz um Ausgewogenheit. Wir müssen die natürliche Großzügigkeit und Kraft der Region nicht verstecken – genau das macht Barossa Shiraz besonders. Die Kunst besteht darin, dem Wein genügend Frische, Struktur und Zurückhaltung zu geben, damit er diese Kraft tragen kann.

Interessanterweise ist das keine besonders neue Idee für Peter Lehmann Wines. In den Glanzzeiten – als viele Erzeuger alkoholreiche, stark im Holz ausgebaute, üppige und kraftvolle Shiraz-Weine herstellten – hatte Peters Flaggschiff Stonewell typischerweise nur etwa 13,5 bis 14 Prozent Alkohol und wurde vergleichsweise wenig in neuem Holz ausgebaut. Peter war überzeugt, dass die Qualität der Früchte nicht verdeckt oder verstärkt werden musste: Der Weinberg konnte selbst sprechen.

Diese Philosophie gilt auch heute noch. Wir wollen die Weine nicht kleiner oder leichter machen, sondern vollständiger. Ich möchte schöne Frucht und Großzügigkeit, aber ebenso Frische, Energie, Struktur und einen Nachhall, der Lust auf ein weiteres Glas macht.

Peter war davon überzeugt, dass Barossa Shiraz der beste der Welt sei. Er glaubte aber nicht, dass man ihn größer machen müsse, um das zu beweisen. Für mich liegt genau darin die ideale Balance: Großzügigkeit ohne Schwere, Kraft ohne Gewicht und Eleganz, ohne den Charakter der Barossa zu verlieren.

Stonewell Shiraz ist zu einem der ikonischen Weine von Peter Lehmann geworden. Was unterscheidet Stonewell von Ihren anderen Shiraz-Weinen?

Bei Stonewell geht es um Auswahl, und dieser Prozess beginnt im Weinberg. Lange bevor die Früchte die Kellerei erreichen, suchen wir nach dem, was Peter die »kleinen schwarzen Juwelen« nannte – also nach kleinen, intensiv gefärbten Beeren mit unglaublichem Geschmack, hoher Geschmackskonzentration und natürlicher Ausgewogenheit.

Anschließend verfolgen wir diese besonderen Parzellen während der Saison und beurteilen sie im Vergleich zu allem anderen, was uns zur Verfügung steht. Stonewell vereint die besten Früchte und Parzellen des gesamten Jahrgangs zu unserem Spitzenwein.

Stonewell bedeutet jedoch nicht einfach, den größten oder kraftvollsten Wein zu erzeugen. Wie Peter von Anfang an gezeigt hat, müssen die Früchte über die natürliche Ausgewogenheit und Struktur verfügen, um diese Konzentration tragen zu können. Wir wollen Fülle und Intensität, aber auch Frische, feine Tannine und Länge.

Das Besondere an Stonewell ist, dass er den bestmöglichen Ausdruck dessen darstellt, was wir in einem bestimmten Jahrgang sehen. Er schmeckt nicht zwangsläufig jedes Jahr genau gleich – und das gehört zu seiner Anziehungskraft. Der Jahrgang und die Weinberge erzählen die Geschichte, und Stonewell gibt uns die Möglichkeit, den besten Teil dieser Geschichte in die Flasche zu bringen.

Wenn jemand zum ersten Mal Peter Lehmann Shiraz probieren würde: Welche Eigenschaften würde diese Person Ihrem Wunsch nach als typisch für Peter Lehmann erkennen?

Ich würde mir wünschen, dass die Person beim Probieren die Reichhaltigkeit des Weins erkennt: Großzügigkeit in der Frucht, in der Textur und in der Art, wie der Wein den Gaumen ausfüllt, aber auch in der Philosophie der Weinbereitung dahinter.

Peter wollte Weine keltern, die Menschen trinken und miteinander teilen wollten. Er versuchte nicht, Wein um seiner selbst willen kompliziert zu machen. Die Weine haben eine Wärme und Offenheit – sie sollten zu einem weiteren Glas einladen.

Aus technischer Sicht hoffe ich, dass die Menschen die reiche Frucht aus der Barossa erkennen, die von natürlichen Tanninen und Frische getragen wird, statt von Holz oder übermäßiger Extraktion dominiert zu sein. Der Wein sollte Fülle und Tiefe, aber ebenso Ausgewogenheit und Trinkfreude besitzen.

Ich glaube, diese Opulenz ist ein sehr typisches Merkmal von Peter Lehmann. Sie spiegelt den Menschen ebenso wider wie die Weine. Wenn jemand unseren Shiraz probiert und dieses Gefühl der Reichhaltigkeit verspürt, würde mich das sehr freuen.

Mehr als Shiraz

Zwei Personen stoßen mit Weißwein an.

International ist die Barossa vor allem für Rotwein bekannt. Welche weißen Rebsorten oder Weinstile aus der Region verdienen Ihrer Meinung nach mehr Aufmerksamkeit?

Leider betrachtet ein großer Teil der Welt die Barossa noch immer hauptsächlich aus der Shiraz-Perspektive. Die Region hat jedoch so viel mehr zu bieten.

Viele Menschen wären überrascht zu erfahren, dass Cabernet Sauvignon die am zweithäufigsten angebaute Rebsorte in der Barossa ist. Wir arbeiten intensiv mit neuem Klonmaterial und wollen Cabernet-Stile erzeugen, die stärker von der Frucht geprägt, runder und zugänglicher sind, dabei aber die Struktur bewahren, die diese Rebsorte hier so wertvoll macht.

Grenache ist ein weiteres gutes Beispiel. Früher wurde die Rebsorte historisch für die Herstellung von Likörwein angebaut. Heute können die alten Reben wunderbar frischen, lebendigen Rosé mit einem großartigen Fruchtcharakter hervorbringen.

Auch die Weißweine aus den Tallagen verdienen meiner Meinung nach mehr Anerkennung. Chardonnay und Semillon können Weine mit enormem Geschmack und einer angenehmen, weichen, runden Textur hervorbringen. Sie besitzen eine Opulenz und Fülle, die sich deutlich von den Weißweinstilen kühlerer Klimazonen unterscheidet, die viele Menschen mit Australien verbinden.

Außerdem sehen wir großartige Beispiele für Rebsorten wie Tempranillo, Nero d’Avola und Carmenère. Diese mediterranen und warmklimatischen Sorten fühlen sich unter unseren Bedingungen offenbar sehr wohl und zeigen, wie vielseitig die Barossa sein kann.

Shiraz wird also immer ein wichtiger Teil der Geschichte der Barossa bleiben. Ich glaube jedoch, dass wir erst an der Oberfläche dessen kratzen, was die Region hervorbringen kann. Die Barossa ist eine deutlich vielfältigere Weinregion, als ihr Ruf vermuten lässt.

Riesling nimmt im Portfolio von Peter Lehmann einen besonders wichtigen Platz ein. Was macht das Eden Valley zu einer so spannenden Region für Riesling?

Das Eden Valley bildet beinahe den perfekten Kontrast zu den warmen Tallagen der Barossa. Im Hochsommer, wenn es in den Tallagen 40 °C haben kann, ist es aufgrund der Höhenlage im Eden Valley 5 oder 6 Grad kühler. Dieser Unterschied beeinflusst die Reifung der Trauben ganz erheblich: Riesling reift länger und langsamer und behält dabei seine natürliche Säure und Frische.

Deutsche Rieslingerzeuger verstehen die Beziehung zwischen Temperatur, Lage und Reife besonders gut. Im Eden Valley beobachten wir dasselbe Prinzip, allerdings in einem ganz anderen Klima.

Andrew Wigan spielte historisch eine enorm wichtige Rolle dabei, Riesling im Portfolio von Peter Lehmann zu etablieren. Peter war bekanntermaßen auf Shiraz fixiert und stets auf der Suche nach dem nächsten großen Shiraz-Weinberg. Andrew erkannte jedoch das Potenzial des Rieslings aus dem Eden Valley und setzte sich leidenschaftlich für ihn ein. Ohne seinen Einfluss hätte Riesling meiner Meinung nach heute nicht den Stellenwert bei Peter Lehmann Wines, den er tatsächlich hat.

Was ich am Riesling aus dem Eden Valley liebe, ist seine Präzision. In seiner Jugend kann er unglaublich aromatisch und lebendig sein. Gleichzeitig besitzt er die Struktur und Säure, um sich mit zunehmendem Alter wunderschön zu entwickeln. Dabei entstehen wunderbare Röst-, Honig- und komplexe Aromen, während die Frische erhalten bleibt.

Das ist ein weiteres großartiges Beispiel für die Vielfalt unserer Region. Nur relativ kurz von den warmen Tallagen der Barossa entfernt findet man eine völlig andere Umgebung, die aus eigener Kraft außergewöhnliche Weine hervorbringen kann.

Inwiefern gehen Sie mit Rebsorten wie Cabernet Sauvignon oder Chardonnay anders um als mit Shiraz – und bewahren dabei dennoch einen erkennbaren Stil von Peter Lehmann?

Die Rebsorten müssen unterschiedlich behandelt werden, aber die grundlegende Philosophie bleibt dieselbe: die Frucht respektieren, den Weinberg verstehen und einen großzügigen, ausgewogenen und genussvollen Wein erzeugen.

Beim Cabernet arbeiten wir intensiv mit unterschiedlichem Klonmaterial und suchen nach Fruchtprofilen, die mehr Opulenz, Rundheit und Zugänglichkeit bieten, ohne die natürliche Struktur des Cabernet zu verlieren. Die Rebsorte soll sich selbst ausdrücken, und zwar in einem Stil, der sich ganz natürlich in die Familie von Peter Lehmann einfügt.

Chardonnay ist noch einmal etwas anders, weil sich der Stil weiterentwickelt. Wir wollen Verbraucherinnen und Verbrauchern das bieten, was sie von modernem Chardonnay erwarten. Aber gleichzeitig wollen wir natürlich einen eindeutig erkennbaren Peter-Lehmann-Wein erzeugen: großzügig, ausdrucksstark und voller Geschmack. Wir investieren viel Energie in diese Weine und setzen hochwertiges Holz für die Gärung sorgfältig ein. Hinzu kommen teilweise der biologische Säureabbau und ein maßvolles Aufrühren der Hefe, um Textur und Komplexität aufzubauen.

Entscheidend ist die Ausgewogenheit. Die Weinbereitung soll Weinberg und Frucht nicht überdecken. Egal, ob es sich um Shiraz, Cabernet oder Chardonnay handelt: Ein Wein von Peter Lehmann sollte immer Opulenz, Charakter und ein Gefühl für seine Herkunft besitzen.

Tradition und Zukunft

Innenraum bei Peter Lehmann mit Weinregalen, Sitzgruppen und Theke.

Peter Lehmann Wines blickt auf mehr als vier Jahrzehnte Geschichte zurück. Welche Traditionen sind für Sie unverhandelbar? Und wo wollen Sie sich bewusst weiterentwickeln?

Für mich ist es unverhandelbar, der Barossa treu zu bleiben. Das bedeutet, die Weinberge, die Traubenerzeuger, die Rebsorten und den Charakter der Region zu respektieren. Wir sollten nicht versuchen, aus der Barossa etwas zu machen, was sie nicht ist.

Die Masters-Serie ist dafür ein gutes Beispiel. Diese Weine haben einen klar definierten Stil, der über viele Jahre gewachsen ist und einen wichtigen Teil der Identität von Peter Lehmann ausmacht. Wenn man einen Masters-Wein öffnet, sollte eine erkennbare Verbindung zu den Weinen bestehen, die vor ihm kamen. Diese Beständigkeit und das Gefühl für Geschichte nehmen wir sehr ernst.

Ein großartiges Beispiel dafür war die London Wine Competition 2025: Unser Wigan Riesling des Jahrgangs 2019 wurde sowohl als »Best Riesling of Show« als auch als »Wine of Australia« ausgezeichnet. Einige Wochen später sagte uns der Vorsitzende der Jury, dass einige Jurymitglieder den Wein bei der Blindverkostung angeblich erkannt hätten. Für mich ist das das größte Kompliment: Ein Wein hat eine so klare Identität, dass er international erkannt werden kann, ohne dass man das Etikett sieht.

Weiterentwickeln wollen wir uns darin, diese Identität zum Ausdruck bringen. Die Arbeit im Weinberg verändert sich, das Klonmaterial wird besser, die Techniken der Weinbereitung entwickeln sich weiter und die Erwartungen der Verbraucherinnen und Verbraucher verändern sich. Wir sollten diese Entwicklungen annehmen, wenn sie uns helfen, bessere Weine zu erzeugen – aber niemals auf Kosten dessen, was die Barossa und Peter Lehmann unverwechselbar macht.

Für mich bedeutet Weiterentwicklung nicht, jedem Trend hinterherzulaufen. Es bedeutet, bessere Wege zu finden, um das auszudrücken, was wir bereits haben. Der Barossa treu bleiben, aber niemals stehen bleiben.

Hat sich der Stil australischer Weine in den vergangenen Jahren verändert? Suchen Verbraucherinnen und Verbraucher heute etwas anderes in Weinen aus der Barossa als noch vor zehn oder zwanzig Jahren?

Absolut. Die Art, wie Menschen trinken, verändert sich, und Wein muss darauf reagieren. Es gibt einen deutlich stärkeren Fokus auf Maßhalten, einen niedrigeren Alkoholgehalt und einen bewussteren Konsum. Gleichzeitig probieren Verbraucherinnen und Verbraucher Hybridgetränke, trinkfertige Getränke und andere Alternativen zum klassischen Wein aus. Untersuchungen von Wine Australia zeigen, dass die Menschen weniger trinken. Wichtig ist jedoch: Sie suchen nicht unbedingt weniger Geschmack oder Qualität, sondern Weine, die sich leichter in ihren Alltag integrieren lassen.

Ich glaube, Peter Lehmann Wines war immer Teil dieser Entwicklung. Die Hill-&-Valley-Linie ist ein gutes Beispiel. Sie ermöglicht uns, auf die Nachfrage nach frischen, zugänglichen und vielseitigen Weinen zu reagieren und zugleich die Opulenz, den Geschmack und den regionalen Charakter zu bieten, den man von uns erwartet. Für diese Linie werden Früchte aus den Tallagen der Barossa, dem Eden Valley und den Adelaide Hills zusammengeführt. Die Weinbereitung lässt dabei die einzelnen Regionen erkennbar hervortreten.

Wir beschäftigen uns auch mit neuen Formaten und Stilen, weil sich die Trinkgelegenheiten verändern. Die Antwort kann meiner Meinung nach aber nicht darin bestehen, jedem Trend hinterherzulaufen. Die Chance liegt darin, das, was die Barossa von Natur aus besonders gut kann – Großzügigkeit, Geschmack und Charakter –, auf eine Weise auszudrücken, die für die Weintrinkerinnen und Weintrinker von heute relevant bleibt.

Für mich geht es beim Blick auf die Zukunft nicht darum, zwischen Tradition und Veränderung zu wählen. Es geht eher darum, der Barossa treu zu bleiben und gleichzeitig Weine mit dem Charakter zu schaffen, wie Menschen ihn heute trinken möchten.

Der Klimawandel wird für Weinregionen auf der ganzen Welt immer deutlicher spürbar. Welche Veränderungen beobachten Sie bereits heute in der Barossa, und wie passen sich Traubenerzeuger und Winzerinnen und Winzer daran an?

Die Barossa war schon immer eine Region der Extreme. Ich beobachte, dass einige dieser extremen Wetterereignisse an Intensität zunehmen und zudem häufiger auftreten. Innerhalb sehr kurzer Zeit können wir von großer Trockenheit und Hitzewellen zu erheblichen Niederschlagsmengen wechseln. Das setzt die Traubenerzeuger enorm unter Druck.

Die Antwort besteht darin, die Weinberge deutlich präziser zu bewirtschaften. Die Bodenpflege wird immer wichtiger: Wir müssen gesunde Böden aufbauen, die Feuchtigkeit speichern und die Reben durch trockene Perioden tragen können. Die Bewässerung wird sorgfältiger und gezielter eingesetzt, während die Laubarbeit hilft, die Früchte vor Hitze und Sonne zu schützen. Auch die Technologie macht einen echten Unterschied: Messungen der Bodenfeuchtigkeit, Wetterdaten und andere Instrumente ermöglichen es den Traubenerzeugern, deutlich fundiertere Entscheidungen zu treffen. Untersuchungen von Wine Australia zeigen außerdem den Wert angepasster Bewässerungsstrategien bei trockenen Wintern und veränderten saisonalen Bedingungen.

Wir befassen uns auch ernsthafter mit Rebsorten und Unterlagen, die von Natur aus besser für Hitze und Wasserstress geeignet sind. Rebsorten wie Grenache, Tempranillo und Nero d’Avola sind in dieser Hinsicht besonders interessant. Wir lernen laufend mehr darüber, wie unterschiedliches Pflanzmaterial auf unsere Bedingungen reagiert.

Auch bei der Schädlings- und Krankheitsbekämpfung hat es viele Innovationen gegeben, darunter neue Lösungen bei den Fungiziden und ein gezielterer Einsatz. Das wird besonders wichtig, wenn die Wettermuster weniger vorhersehbar sind.

Letztlich glaube ich, dass die größte Stärke der Barossa darin liegt, dass sich die Traubenerzeuger schon immer anpassen mussten. Wir hatten immer mit Dürre, Hitze, Frost, Regen und allem dazwischen zu tun. Der Unterschied ist heute, dass uns viel bessere Technologien, mehr Wissen und bessere Instrumente zur Verfügung stehen, um darauf zu reagieren. Wir versuchen nicht, das Klima zu kontrollieren – wir lernen, mit ihm zu arbeiten.

Was wird Ihrer Meinung nach in den kommenden zehn Jahren die größte Herausforderung und was die größte Chance für die Barossa sein?

Ich glaube, die größte Herausforderung und die größte Chance sind tatsächlich dasselbe: Wie bewahren wir das, was die Barossa besonders macht, und sorgen gleichzeitig dafür, dass sie für die nächste Generation relevant und spannend bleibt?

Wir haben eine außergewöhnliche Geschichte, einige der ältesten Weinberge der Welt und eine sehr ausgeprägte Weinkultur. Wir dürfen jedoch nicht zulassen, dass uns dieses Erbe altmodisch oder unzugänglich wirken lässt. Wir müssen mehr Erlebnisse rund um die Barossa schaffen – nicht nur Weinverkostungen, sondern auch Essen, Kultur, Musik, Natur und die Geschichten der Menschen, die diese Region ausmachen. Andere Regionen wie die Adelaide Hills und McLaren Vale machen das besonders gut. Ich glaube, von ihnen können wir viel lernen.

Die Chancen sind enorm, denn die Grundlagen sind bereits vorhanden: Unser Weinbau wird immer stärker, unsere Früchte werden besser, und wir verfügen über eine unglaubliche Tiefe an Geschichte und Gemeinschaft. Die Barossa ist am stärksten, wenn wir zusammenarbeiten und nicht als einzelne Unternehmen handeln.

Die australische Weinbranche steht derzeit vor erheblichen Herausforderungen. Ich bin aber wirklich überzeugt, dass die Barossa daraus gestärkt hervorgehen kann. Wenn wir unser Erbe mit einem moderneren, aktiveren und ansprechenderen Besuchererlebnis verbinden und gemeinsam die Marke Barossa weltweit aufbauen, können wir unsere Position als eine der großen Weinregionen der Welt festigen.

Wir sollten keine Angst vor unserer Geschichte haben – wir sollten sie zu einem Teil unserer Zukunft machen.

Ein persönlicher Abschluss

Brett Schutz, Winemaker bei Peter Lehmann, im Weinkeller neben einem Fass Rotwein.

Gibt es einen Wein von Peter Lehmann, der für Sie eine besondere, persönliche Bedeutung hat? Und welche Geschichte steckt dahinter?

Es ist schwierig, nur einen auszuwählen, denn zwei Weine haben für mich sehr unterschiedliche persönliche Bedeutungen: Eight Songs Shiraz und Wigan Riesling.

Eight Songs ist für mich der Inbegriff von Peter Lehmann. Ich liebe es, wie der Wein die Kraft und Struktur eines typischen Barossa Shiraz einfängt und zugleich eine zusätzliche Ebene von Eleganz und Klarheit mitbringt. Er besitzt Kraft, Fülle und Tiefe, ist aber nicht schwer. Der Wein hat eine echte Ausgewogenheit und Raffinesse – etwas, das Peter meiner Meinung nach sehr gut verstanden hat.

Wigan Riesling ist aus einem anderen Grund persönlich für mich. Als ich in der Barossa aufwuchs, war Andrew Wigan einer der Superstars unserer Branche. Für einen jungen Menschen wie mich, der sich für die Weinbereitung begeisterte, waren Menschen wie Wigan Vorbilder. Er und andere wie er haben den Erfolg und den Ruf unserer Branche mitgeprägt – nicht nur, indem sie großartige Weine machten, sondern auch, indem sie Gelegenheiten schufen, bei denen Menschen zusammenkommen und den Wein feiern konnten.

Das ist meiner Meinung nach etwas ganz Entscheidendes am Wein in Südaustralien. Er ist Teil unserer Kultur, unserer Gemeinschaften und unserer Wirtschaft. Gleichzeitig bringt er Menschen zusammen. Für mich steht Eight Songs daher für das, was ich am Wein selbst liebe, während Wigan für die Menschen, die Geschichte und das Gemeinschaftsgefühl steht, die mich ursprünglich dazu gebracht haben, Teil dieser Branche werden zu wollen.

Wenn Sie jemandem Peter Lehmann Wines bei einem Abendessen vorstellen würden: Welche Flasche würden Sie zuerst öffnen? Und was würden Sie dazu servieren?

Ich würde eine Flasche Black Queen Sparkling Shiraz öffnen. Er ist ein Maßstab in der Branche. Noch wichtiger ist aber, dass er etwas typisch Barossahaftes einfängt: authentischen Shiraz mit dem Vergnügen von Schaumwein. Es ist ein Wein, der sich selbst nicht zu ernst nimmt. Die Qualität des Shiraz, der darunterliegt, verdient allerdings es hingegen absolut, ernst genommen zu werden.

Dazu würde ich eine typische Platte zum Teilen aus der Barossa servieren: geräucherten Schinken, Würste, gutes Sauerteigbrot, Käse aus der Region, Dillgurken, Pastete und Quittenpaste. Diese Speisen spiegeln das deutsche Erbe und den großzügigen, gemeinschaftlichen Geist der Barossa wider.

Für mich ist das ein großartiger Beginn für einen Abend. Das Essen ist zum Teilen da, der Wein bringt die Menschen ins Gespräch, und im Glas steckt ein wenig spielerische Freude. Das fühlt sich für mich sehr nach Peter Lehmann an.

Und zum Schluss: Wenn Peter Lehmann heute selbst durch die Kellerei und die Weinberge gehen könnte, was würde ihn Ihrer Meinung nach am stolzesten machen?

Ich glaube, er wäre stolz darauf zu sehen, dass sein ursprüngliches Versprechen an die Traubenerzeuger noch immer lebendig ist. Er baute das Unternehmen um Menschen herum auf – um Traubenerzeuger, Winzerinnen und Winzer, Familien und die gesamte Gemeinschaft der Barossa. Ich glaube, diesen Geist würde er sofort erkennen.

Auch auf die Weine wäre er stolz. Wir erzeugen noch immer Weine, die der Barossa wirklich treu sind: aus unseren großartigen alten Weinbergen und unserem außergewöhnlichen Shiraz ebenso wie aus Riesling, Cabernet, Chardonnay und vielen anderen Rebsorten, die zeigen, was diese Region leisten kann. Gleichzeitig haben wir keine Angst vor Weiterentwicklung – durch besseren Weinbau, neues Klonmaterial, neue Techniken und neue Stile, wenn sie sinnvoll sind. Das Ziel besteht immer darin, bessere Weine zu erzeugen, ohne unsere Identität zu verlieren.

Ich glaube, er wäre außerdem stolz darauf, dass wir die Barossa und seine Geschichte einer neuen Generation sowie Weintrinkerinnen und Weintrinkern auf der ganzen Welt näherbringen. Peter hat immer verstanden, dass Wein mehr ist als das, was sich in der Flasche befindet. Es geht darum, dass Menschen zusammenkommen, Essen teilen, feiern und Freude haben.

Peter hatte eine enorme Persönlichkeit, doch bei seinem Vermächtnis ging es nie wirklich um Peter selbst. Es ging um die Menschen und die Region, an die er glaubte. Wenn er heute durch die Kellerei ginge, würde er sich vermutlich umsehen, uns ein paar deutliche Worte zu etwas sagen, das wir falsch machten, und wahrscheinlich feststellen, dass wir das Leben zu kompliziert gestalten. Danach würde er sich zu den Traubenerzeugern auf ein Glas Wein setzen.

Und das würde mir mehr als alles andere zeigen, dass wir etwas richtig machen.