Appassimento – schöner Name, noch schönerer Wein. Doch was passiert hier? Warum findet man den Begriff immer häufiger auf italienischen Weinen? Und was hat das alles mit Masi zu tun, einem namhaften Familienweingut aus der Nähe des Gardasees? Wir bringen Licht ins Dunkel und lassen es dabei langsam angehen – ganz im Sinne des Appassimento.

Schauen wir zunächst auf das Wort: »Appassimento« kommt von »appassire«, was »verwelken« bedeutet. Bei der Appassimento-Technik werden die Trauben vor dem Pressen nämlich gezielt angetrocknet und somit »welk«. Dadurch entsteht ein besonders ausdrucksstarker Rotwein mit dichter Struktur und betont reifen Aromen. Es handelt sich beim Appassimento also nicht, wie viele irrtümlicher Weise denken, um eine Rebsorte, sondern um eine traditionsreiche Methode der Weinbereitung, die Winzer in Italien seit Jahrhunderten anwenden und die heute vor allem in Venetien und Apulien anzutreffen ist. Sogar einige Weißweine werden nach dieser Methode erzeugt.

Wie funktioniert die Weinherstellung nach dem Appassimento-Verfahren?

Beim Appassimento-Verfahren trocknen die Winzer die frisch geernteten Trauben auf traditionellen Strohmatten, in gut belüfteten Hallen oder modernen Trocknungsräumen. Während der mehrere Wochen dauernden Trocknung verlieren die Beeren Wasser, wodurch sich die Zucker- und Aromastoffe konzentrieren. Die Beere wird sozusagen eine Rosine und enthält am Ende des Appassimento eine Essenz ihrer ursprünglichen Inhaltsstoffe. Sie verliert bis zu 50% des Wassers.

Sind die Trauben ausreichend konzentriert, beginnt die weitere Weinherstellung. Die Moste gären langsam und entwickeln dabei eine aromatische Tiefe, die viele Genießer schätzen. Das Ergebnis zeigt sich in ausgeprägten Noten reifer Früchte, einem vollen Körper und einer geschmeidigen Textur. Wer hochwertigen Rotwein sucht, wird unter den Appassimento-Weinen sicher fündig. Der Amarone della Valpolicella, einer der großen italienischen Rotweine, entsteht auf diese Weise.

Wo werden Appassimento-Weine hergestellt?

Historisch stammt das Verfahren aus Venetien, insbesondere aus der Region Valpolicella, wo weltbekannte Weine wie der Amarone. Die kraftvolle Stilistik der Appassimento-Weine beeinflusst seit Jahrzehnten die norditalienische Weinlandschaft, wobei sich das Weingut Masi als einer der Pioniere der Technik hervorgetan hat.

Unter der Leitung von Sandro Boscaini, bekannt als »Mister Amarone«, perfektionierte Masi die Kunst, Trauben wie Corvina und Rondinella nach der Ernte zu trocknen, um hochkonzentrierte Weine zu erzeugen. Ikonen wie der Masi »Costasera« Amarone profitieren davon: Nach 3 bis 4 Monaten Trocknung entfaltet er intensive Aromen von reifer Kirsche, Gewürzen und Schokolade bei einem Alkoholgehalt von 15 Volumenprozent.​

Auch innovative Weine wie der Masi Campofiorin zeigen Masis Meisterschaft – hier wird die Technik des Ripasso mit Appassimento-Trestern kombiniert, um einen vollmundigen Rotwein zu schaffen, aber ohne die volle Trocknungsintensität und den hohen Alkohol des Amarone.

Appassimento vs. Ripasso: Der Unterschied

Während das Appassimento-Verfahren das Ausgangsmaterial für den Wein vor der Gärung verändert, indem die Trauben einrosinieren, nutzt man beim Ripasso-Verfahren sozusagen Abfallprodukte für einen »wiederholten Durchgang« (ital. »ripassare«) der Gärung. Dabei wird ein fertiger Basiswein (z. B. Valpolicella) nochmal für 15 bis 20 Tage auf den noch aromatischen Trestern (Schalen, Kerne) des Amarone-Weins refermentiert. Das sorgt für mehr Farbe, Tannine und Komplexität, wobei Ripasso-Weine insgesamt weniger wuchtig und alkoholreich ausfallen als Amarone. Dafür sind sie günstiger.

Appassimento in Apulien

Im Anschluss an die Entwicklung im Norden Italiens hat sich das Appassimento-Verfahren auch im süditalienischen Apulien etabliert – mit großem Erfolg. Besonders der Primitivo Appassimento ist heute international gefragt. Die warmen Bedingungen der Region am Absatz des Stiefels bringen Trauben mit hoher Reife, intensiven Aromen und weichen Tanninen hervor, die sehr gut zum Stil der Appassimento-Technik passen. Wenn Sie sich für diese Herkunft interessieren, entdecken Sie hier unsere Auswahl an Weinen aus Apulien.

Drei Beispiele für Appassimento-Weine

Probieren Sie diese Weine aus unserem Sortiment. Sie stehen exemplarisch für die Qualität des Appassimento und decken dabei verschiedene Stilrichtungen ab:

  • Doppio Passo Appassimento Primitivo
    Dieser beliebte Rotwein stammt aus Apulien und basiert auf der Trendrebsorte Primitivo. Durch das Trocknungsverfahren erhält der Wein seine konzentrierte Struktur und zeigt reife Aromen, die typisch für Appassimento-Weine sind. Viele Kunden schätzen zudem den lieblichen Stil mit ausgeprägter Frucht und einem harmonischen Gesamteindruck.
  • Masi Mezzanella Amandoriato Recioto della Valpolicella Classico
    Wenn der Amarone die trockene Variante des klassischen Appassimento-Weins verkörpert, dann ist der Recioto sein süßes Pendant. Für diesen Wein wird die Gärung des Mosts frühzeitig gestoppt, er gärt also nicht durch und bleibt daher süß. Die Trauben für den Mezzanella stammen aus teils historischen Lagen und ihre Qualität prägt den komplexen, intensiven und warmwürzigen Stil dieses Rotweins maßgeblich.
  • Settesoli Appassimento Syrah
    Auch die Winzer der sizilianischen Genossenschaft Cantine Settesoli wenden eine Variante des Appassimento an, wie dieser Wein zeigt. Er wird aus Trauben hergestellt, die bereits am Rebstock eintrocknen. Dadurch verlieren Sie bis zu 40% ihres Gewichts, was zu konzentrierten, zuckerreichen Früchten führt und einen kraftvollen Wein mit Aromen von reifer Pflaume, Kirsche und Pfeffer führt.

Fazit: Warum Appassimento-Weine so begeistern

Appassimento-Weine verbinden eine traditionelle Technik mit regionaler Identität und heben sich deutlich von klassischen Rotweinen ab. Das Verfahren verleiht ihnen eine konzentrierte Aromatik, reife Struktur und einen vollmundigen Ausdruck, der sowohl Kenner als auch neugierige Genießer in den Bann zieht. Ob Primitivo aus Apulien oder Amarone aus Venetien – der Stil bleibt einzigartig. Probieren Sie selbst!

FAQ – Häufige Fragen zu Appassimento-Weinen

Wie schmeckt ein Appassimento?
Appassimento-Weine sind kraftvoll und ausdrucksstark mit Noten reifer Früchte, dichter Struktur und einem weichen Gesamteindruck. Sie können von trocken bis lieblich alle Geschmacksrichtungen abbilden.

Was ist ein Appassimento-Wein?
Es handelt sich um einen Wein, dessen Trauben vor der Verarbeitung angetrocknet wurden, um Zucker und Aromastoffe zu konzentrieren.

Ist Appassimento eine Rebsorte?
Nein, Appassimento ist kein Rebsortenname, sondern ein traditionelles Herstellungsverfahren aus Italien.

Was ist Primitivo Appassimento?
Hierbei handelt es sich um einen Primitivo, der mit dem Appassimento-Verfahren erzeugt wurde und dadurch an Ausdruck und Tiefe gewinnt.

Ist Doppio Passo Appassimento Primitivo trocken?
Nein, dieser Wein wird lieblich ausgebaut. Er schmeckt durch die Traubenkonzentration besonders weich und fruchtbetont und besitzt eine deutlich wahrnehmbare Süße.