
Österreichischer Rotwein macht gerne mal blau
Drei Rebsorten stehen stellvertretend für die Rotweinkultur in Österreich: Blaufränkischer, (Blauer) Zweigelt und Blauburgunder. Letzerer ist übrigens eine Mundartversion des deutschen Spätburgunders. Unangefochten an der österreichischen Spitze steht allerdings der Zweigelt. Diese Neuzüchtung wurde nach ihrem Schöpfer Friedrich Zweigelt benannt und ist das Ergebnis des Versuchs, dem widrigen österreichischen Klima wenigstens ein wenig Rotwein abzutrotzen. Und dieser Versuch ist gelungen.
Zweigelt präsentiert sich grundsätzlich recht tief und würzig und ist besonders leicht an seiner Vanillenote und dem Kirschenbukett zu erkennen. Allerdings funktioniert das nur, wenn der etwas störrische Wein sorgfältig gekeltert, die Ernte bewusst niedrig gehalten und der Wein in Fässern ausgebaut wird. Darum raten wir meist zu gereiftem Zweigelt, obwohl ein Jungwein mit seinem pfeffrigen Kick und der saftigen Säure durchaus seine Liebhaber finden wird.
Geht es um zugängliche Eleganz, ist der Blauburgunder eine gute Idee. Als österreichischer Rotwein zeigt er am besten in Cuvées, was er kann. Der Blaufränkische hingegen ist ein wahrer Solokünstler, der international (und bei den Experten) für die meiste Aufmerksamkeit sorgt.
Österreichischer Rotwein: Vor allem charakterstark
Ein Blick in die Auswahl an Blaufränkischem bei Ludwig von Kapff unterstreicht unsere steile These: Über 90 Falstaff-Punkte, wohin das Auge blickt. Verantwortlich für diese Noblesse ist hauptsächlich das Burgenland und hier primär das Weinhaus Wohlmuth, das sich voll und ganz dem Blaufränkischen verschrieben hat. Er besitzt im Übrigen eine sehr lange Lagerfähigkeit.
Kritiker und Kenner schätzen an dieser Sorte, und an österreichischem Rotwein allgemein, dass sie besonders charakterstark ist und Aufmerksamkeit verlangt. Auch die feine Säure zum hohen Tanningehalt, die bei Rotweinen anderer Provenienz oft in den Hintergrund tritt, wird hier selbstbewusst untermalt.
Österreicher verstehen Weingenuss als Traditionspflege und als Abbild ihres Klimas und der Landschaft. Das gilt von Niederösterreich bis in die Steiermark, vom Weinviertel bis ins Kamptal. Dabei sieht österreichischer Rotwein den Faktor „Eigentlich“ eher als Herausforderung, einen noch eigenständigeren Weg zu gehen. In jedem Fall können Sie sich sicher sein, dass aus dem kleinen Weinland Österreich demnächst noch weitere große Sensationen in Blau und mit Schmäh kommen werden.